Navigationsleiste Aktuelles | Geschäftseinteilung | Notrufnummern | Dienststellen | Kontakt | Impressum | Sitemap
Bundesministerin
Staatssekretär
Aufgabengebiete
Fahndungen
Prävention
Meldestellen
Begutachtungen
Videoportal
Downloadbereich
Termine
Presse
Jobs / Ausschreibungen
Reisepass
Links
Das Magazin des Innenministeriums, Nr. 9-10/2002
Wenn sie nicht Verkehrssünder bestrafen oder Verbrecher jagen, retten sie Menschen oder klären sie Alpinunfälle. Die Alpingendarmen feierten den 50-jährigen Bestand ihrer Organisation.
Sie sind zur Stelle, wenn es um Amtshandlungen in Eis und Fels geht. Sie machen ihren Job neben dem regulären Dienst. Seit 50 Jahren gibt es "Alpine Einsatzgruppen" (AEG) der Gendarmerie in Österreich. Am 7. Juni 2002 feierten die Alpingendarmen gemeinsam mit Innenminister Dr. Ernst Strasser ihr 50-jähriges Bestehen auf der Latschenhütte bei Imst in Tirol. Strasser ehrte bei diesem Festakt zwölf Alpingendarmen, die sich bei Einsätzen besonders verdient gemacht haben.Im Vorjahr haben die Spezialisten der Gendarmerie über 4.700 Fälle bearbeitet. Etwa die Hälfte der Alpinunfälle ereignen sich in Tirol. Dort gibt es neun Einsatzgruppen mit 140 Beamten. Die gesammelten Daten über Alpinunfälle geben Auskunft über Anzahl, Art und Ursachen von Unfällen in den Bergen. Seit der ÖAMTC die Agenden der Flugrettung vom Innenministerium übernommen hat, konzentriert sich die Aufgabe der Alpingendarmerie auf die Klärung von Wander- und Kletterunfällen, Unfällen bei Trendsportarten wie Canyoning, Rafting oder Mountainbiking, Flug- und Forstunfällen sowie Lawinenabgängen und anderen Naturkatastrophen. Die speziell ausgebildeten Gendarmen überwachen die Einhaltung des Naturschutzes, sorgen für die Sperre gefährdeter Gebiete und warnen vor alpinen Gefahren.
Die Alpinausbildung beginnt mit einem Schikurs bereits in der Grundausbildung für Wachebeamte. Geeignete Beamtinnen und Beamte werden bei Bedarf in Hochgebirgsschulen der Landesgendarmeriekommanden ausgebildet, im Winter, im Frühjahr, im Sommer – in Eis und Fels. Die Ausbildung in Theorie und Praxis umfasst unter anderem die Technik des Bergsteigens, Tourenplanung und Orientierung Schnee- und Lawinenkunde, Bergetechniken, Erste Hilfe im Gebirge, Erhebung von Schi- und Alpinunfällen.
Im Alpindienst der Bundesgendarmerie können drei Qualifikationen erreicht werden: Gendarmerie-Alpinist, Gendarmerie-Hochalpinist, Gendarmerie-Bergführer. Der Gendarmerie-Bergführer muss drei Bundeskurse erfolgreich absolvieren (Winter/Sommer, Eis/Fels). Auf dieser Qualifikation baut die Ausbildung zum Flugretter des Innenministeriums auf und zum staatlich geprüften Schilehrer. Unter den etwa 500 Alpingendarmen gibt es 120 Flugretter und 48 staatlich geprüfte Schilehrer. Seit 1996 gibt es Frauen bei der Alpingendarmerie. Drei Beamtinnen des LGK Vorarlberg erreichten die Qualifikation Hochalpinistin. Gruppeninspektorin Alexandra Ellensohn vom Gendarmerieposten Brand, die erste Alpingendarmin in Österreich, ist nach wie vor aktiv; sie gehört der AEG Bludenz an.
Alpine EinsatzgruppenDie Spezialisten der Berge sind in Alpinen Einsatzgruppen (AEG) zusammengefasst, die je nach Einsatzhäufigkeit und Größe des Einsatzgebietes aus 8 bis 25 Gendarmen bestehen. Derzeit versehen 486 Beamte in 41 AEG Dienst. Bei Bedarf werden eine oder mehrere AEG über die Bezirksgendarmeriekommanden aktiviert. Alpingendarmen sind mit Ausnahme von Wien und dem Burgenland in jedem Bundesland tätig. Die Angehörigen der Alpingendarmerie pflegen eine intensive Zusammenarbeit mit der Flugrettung, den Rettungsdiensten sowie den im alpinen Gelände tätigen (Einsatz-) Organisationen.
Neben strafrechtlichen Delikten wie fahrlässige Körperverletzung, Gefährdung der körperlichen Sicherheit, Imstichlassen eines Verletzten, Unterlassung der Hilfeleistungspflicht gibt es eine Reihe verwaltungsrechtlicher Tatbestände, denen im alpinen Bereich besondere Aufmerksamkeit zukommt, etwa nach dem Forstgesetz und Landesgesetzen wie Sportgesetz, Jagdgesetz oder Bergführergesetz.
4000 AlpinunfälleSeit 1971 werden Alpinunfälle von der Alpingendarmerie statistisch erfasst. Von anfangs etwa 500 stieg die Zahl der Unfälle auf über 4.000 jährlich. Die Zahl der tödlichen Alpinunfälle ist nicht angestiegen. Dies wird auf eine bessere Ausrüstung und Ausbildung zurückgeführt, auf die rasche Bergung mit Rettungshubschraubern und die bessere ärztliche Versorgung, aber auch auf die laufende Aufklärungsarbeit durch die alpinen Vereine.
Die als Flugbeobachter tätigen Flugretter der Exekutive sind Spezialisten für Suchaktionen aus der Luft, für Bergungen im unwegsamen Gelände und für Erste Hilfe. Sie versehen ihren Dienst tageweise entweder direkt bei den Flugeinsatzstellen oder werden im Einsatzfall unterwegs aufgenommen (Pick-up-System). Die Arbeit der Alpingendarmen ist gefährlich. In den 50 Jahren des Bestehens verunglückten 29 von ihnen tödlich; viele wurden verletzt.
S.L.
GESCHICHTE
Wilderer und SchmugglerZu den Aufgaben der Gendarmerie im Gebirge zählte früher die Verfolgung von Wilderern und Schmugglern. 1906 wurden Truppenteile der k.k. Landwehr zu Gebirgstruppen umgebildet. Gemeinsam mit den Standschützen-Grenzschutzkompanien sicherten sie die Grenze zu Italien, die k.k. Grenzgendarmerie leistete Assistenz. Die Gendarmeriebeamten wurden in Schi-, Eis-, Gletscher- und Rettungskursen auf einen militärischen Ernstfall vorbereitet. Ab 1923 wurde die Ausbildung unter der Leitung von Oberst Bilgeri intensiviert. Die Bekleidung bestand aus Breeches-Hosen, Wickelgamaschen bis zu den Knien und einer Windjacke aus grauem Zeltleinen. Zur Ausrüstung gehörten Eispickel, Seil und Bilgeri-Schi.
1929 wurde die erste Alpin-Vorschrift für die österreichische Bundesgendarmerie erlassen. Darin wurde auch geregelt, wie die "persönliche Reinhaltung" im Gebirge zu erfolgen habe: "Nicht bloß das Gesicht, sondern besonders die durch Kleider bedeckten und Schweiß absondernden Körperteile (Füße, Achselhöhlen, Gesäß usw.) sind fleißig zu waschen. Vor dem Kochen und Essen, nach der Notdurftverrichtung, vor dem Schlafengehen sind die Hände stets gründlich zu reinigen. Wollstrümpfe sollen mit der Innenseite nach außen häufig in die Sonne gehängt werden."
Der Zweite Weltkrieg unterbrach die Entwicklung des Gendarmerie-Alpinismus, obwohl es eine Alpingendarmerie gab. 1949 werden erstmals Gendarmerie-Alpinisten und Lehrer für den hochalpinen Dienst ernannt. 1952 wurden in allen Bundesländern (außer Wien und Burgenland) Alpine Einsatzgruppen errichtet. Als Alpinreferent im Gendarmeriezentralkommando und zuletzt als Gendarmeriezentralkommandant stellte Dr. Erich Bosina in den 80er-Jahren die Weichen für die kontinuierliche Weiterentwicklung der Alpingendarmerie.
Fußzeile BM.I Bundesministerium für Inneres, Postfach 100, A-1014 Wien,Telefon: +43-(0)1-53126-2307 | Kontakt