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Öffentliche Sicherheit

Das Magazin des Innenministeriums, Nr. 07-08/2002

100 JAHRE POLIZEI

Von "Kuno" zu "Rex"

Vor 100 Jahren ging in Wien der erste Polizeihund auf "Streife". "Kuno" war einem Wachmann auf dem Kahlenberg zugelaufen.

Die Hundeführer der österreichischen Polizei und Gendarmerie gehören zu den Besten der Welt. Das zeigen die Erfolge bei internationalen Vergleichskämpfen. Der Einsatz von Hunden im Dienst der Sicherheit hat in Österreich eine lange Tradition. Kamillo Windt, Vorstand des Erkennungsamtes der Wiener Polizei, empfahl im Jahr 1901, Hunde im Sicherheitswachdienst einzusetzen. Der Zentralinspektor der Sicherheitswache sprach sich aber dagegen aus. Sein Nachfolger begrüßte im Jahr 1902 den Vorschlag Windts, der in Österreich nach Pariser Vorbild die Daktyloskopie eingeführt hatte und durch Zeitungsberichte über Polizeihunde in Gent auf die Idee gekommen war, auch in der Donaumonarchie vierbeinige Helfer der Polizei einzusetzen. In einem Schreiben des Zentralinspektorats vom 5. April 1902 hieß es, "dass die Verwendung von Hunden als Begleithunde der Rayonsposten im unverbauten Gebiete Wiens im Zentralinspektorate in Verhandlung ist und in dieser Richtung auch schon praktische Erfahrungen gesammelt werden."

Die "praktischen Erfahrungen" hatte damals ein Sicherheitswachebeamter des Wachzimmers Josefsdorf auf dem Kahlenberg gesammelt. Dem Inspektor war im Frühjahr 1902 ein Hund zugelaufen. Von den Vorgesetzten geduldet, gegleitete "Kuno" von da an sein Herrl bei den Fußstreifen. Fünf Jahre vor Kamillo Windt hatte schon der berühmte Kriminologe Hans Gross in einem Beitrag im "Jahrbuch für die k.k. Gendarmerie" im Jahr 1896 den Einsatz von Hunden im Exekutivdienst vorgeschlagen. Aufgrund dieses Artikels nahm die Polizei in Hildesheim im Deutschen Reich Polizeihunde auf. 1908 gab es bereits bei rund 400 deutschen Sicherheitsdienststellen Polizeihunde.

Ende März 1907 übernahm Karl Jarmer, Kommandant des Wachzimmers Ober-Sievering, einen drei Monate alten Schäferhund zur polizeilichen Abrichtung. Der Schäfer mit dem Namen "Wolf" stammte aus dem Zwinger des königlich-bayrischen Rittmeisters a. D. von Stephanitz und wurde der Polizei auf Grund einer Widmung eines Fabrikanten übergeben. Kurze Zeit später wechselte ein weiterer Hund des Fabrikanten, der Schäfer "Lux", in das Wachzimmer Ober-Sievering.
Am 4. Juli 1907 schenkte der Wiener Friedrich Runge den Airdale-Terrier "Jim" der Wiener Polizei. Er wurde dem Sicherheitswacheinspektor Czempirek vom Wachzimmer Josefsdorf auf dem Kahlenberg zur Ausbildung zugeteilt. "Jim" fiel am 6. Dezember 1907 einem "Dienstunfall" zum Opfer: Ein Förster des Stiftes Klosterneuburg erschoss den Terrier, als er einem Reh nachjagte. Sein Nachfolger wurde die Schäferhündin "Flora". Die Vierbeiner "Wolf", "Lux" und "Flora" wurden erst auf Grund eines Erlasses der Polizeidirektion vom 10. Jänner 1908 offiziell in den "Polizeidienst" übernommen. Zwei Sicherheitswachebeamte auf der Schmelz und in Kagran erhielten im April 1908 die Erlaubnis, ihre privaten Schäferhunde auf den Streifengängen mitzunehmen.

Im Februar 1909 schenkte die Firma Johann Weiß in Margareten der Polizei drei Schäferhunde. Ende 1909 beantragte die Polizeidirektion über die niederösterreichische Statthalterei beim Ministerium des Inneren die Genehmigung für den Diensthundebetrieb. Mit Erlass vom 8. August 1909 erteilte das Ministerium die Bewilligung zur Verwendung von Hunden und einen Kredit für den Betrieb.
In den folgenden Jahren wurden weitere Hunde für den Polizeidienst aufgenommen, darunter einige Dobermann-Hunde und eine Rottweiler-Hündin. 1911 hatten die Wiener Polizisten bereits 16 Partner mit der kalten Schnauze. Nicht alle Tiere erwiesen sich als geeignet, manche starben bald. Dokumentiert ist etwa das Schicksal der Dobermannhündin "Bella", die von Wien zur Polizeidirektion Laibach "versetzt" und dort "Opfer des Krieges" wurde: Durchreisende Soldaten entdeckten den Vierbeiner und bereiteten aus "Bella" ein Abendessen.

Bei der Gendarmerie
wurden die ersten Hundestationen im Jahr 1910 eingerichtet, in Österreichisch-Schlesien. In der Steiermark wurde der erste Vierbeiner im Jahr 1912 in den Dienst gestellt; auf Grund einer Initiative des Gendarmen Vladimir Svoboda vom Posten Rettenegg. Svoboda war Mitglied des Wiener Polizeihunde-Vereins, von dem er für 25 Kronen die "Airedale-Terrier"-Hündin "Daisy" erwarb. Diese Rasse galt neben dem Deutschen Schäferhund als besonders geeignet für den Polizeidienst. Svoboda dressierte den Hund sechs Monate lang, bis er versteckte Gegenstände aufspüren und auf Kommando Fußspuren verfolgen konnte. Herrl und Hund wurden 1913 zum Gendarmerieposten Gleisdorf versetzt; dieser Posten wurde im August 1913 zur ersten Polizeihundestation der Steiermark – zuständig für den Sprengel des Landesgerichts Graz. Ein Jahr später erkrankte "Daisy"; die Polizeihundestation Gleisdorf wurde geschlossen. Inzwischen entstanden in Leoben und Knittelfeld Polizeihundestationen; später auch in anderen Orten.

Im Oktober 1922 wurden aus wirtschaftlichen Gründen 18 der 24 Diensthunde der Wiener Polizei "abgebaut". Drei Jahre später ordnete Polizeipräsident Dr. Johann Schober an, die Diensthundestationen auszubauen. Die Polizei kaufte 15 Vierbeiner und bildete 23 Sicherheitswachebeamte zu Hundeführern aus. 1929 gab es bereits 40 Diensthunde in Wien.
In den 50er-Jahren wurden bei der Wiener Polizei die ersten Suchtmittelspürhunde ausgebildet; seit wenigen Jahren gibt es auch einige Sprengstoffspürhunde bei der österreichischen Exekutive. Heute werden bei der österreichischen Exekutive 501 Hunde eingesetzt; 213 bei der Polizei und 288 bei der Gendarmerie. Im Jahr 2001 waren die vierbeinigen Kollegen über 91.000-mal eingesetzt.

W.S.

Quellen:
Bundespolizeidirektion Wien: Sechzig Jahre Wiener Sicherheitswache. 1869 – 1929. Selbstverlag, 1929
Gebhardt, Helmut: Die Gendarmerie in der Steiermark von 1850 bis heute. Leykam, Graz, 1997

SICHERHEITSEXEKUTIVE

Diensthunde

  • Schutz- und Stöberhunde
  • Fährtenhunde
  • Suchtmittelspürhunde
  • Sprengstoffspürhunde
  • Brandmittelspürhunde
  • Leichen- und Blutspürhunde
  • Lawinenverschüttetensuchhunde
  • Diensthunde für besondere Einsatzlagen 

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