Navigationsleiste Aktuelles | Geschäftseinteilung | Notrufnummern | Dienststellen | Kontakt | Impressum | Sitemap
Bundesministerin
Staatssekretär
Aufgabengebiete
Fahndungen
Prävention
Meldestellen
Begutachtungen
Videoportal
Downloadbereich
Termine
Presse
Jobs / Ausschreibungen
Reisepass
Links
Das Magazin des Innenministeriums, Nr. 3-4/2002
Der Psychologische Dienst des BMI ist verantwortlich für die Personalauslese sowie für die psychologische Ausbildung und Betreuung.
Polizisten und Gendarmen geraten im Dienst oft in kritische Situationen, wo sie über mentale Stärke verfügen müssen wie Unfälle, Schusswechsel und manchmal Geiselnahmen. Für diese Gefährdung werden die Beamten psychologisch ausgelesen, geschult und betreut von der Abteilung "Psychologischer Dienst" im Innenministerium, einem Team von vier Psychologen (zwei Frauen, zwei Männer) und drei Fachkräften.
Ministerialrat Dr. Reinhold Peter Walter leitetet die Abteilung seit 1. September 1999. Der Psychologe ist seit über 20 Jahren im Innenministerium tätig. Walter und sein Team wirken mit bei der Personalauslese, sie machen spezifische psychologische Schulungen der Mitarbeiter, bilden Testleiter aus, Verhandler bei Geiselnahmen, Betreuer nach Schusswaffengebrauch und traumatischen Ereignissen.
Personalauslese. Frauen und Männer, die sich für die Aufnahme in den Sicherheitswach- oder Gendarmeriedienst bewerben, müssen körperlich, geistig und charakterlich geeignet sein. Diese Eignung wird in einem speziellen Auswahlverfahren ermittelt, das für Polizei und Gendarmerie gleich ist. Für den Eignungstest und die Ausbildung der Testleiter ist der "Psychologischer Dienst" zuständig. Testleiter sind Lehrer der Bildungszentren der Exekutive. Der Aufnahmetest besteht aus einem Diktat, einem standardisierten Intelligenztest, einem Grammatiktest und einem Persönlichkeitstest. Die Tests werden vom Psychologischen Dienst anonym ausgewertet; nach einem Punktesystem werden die Besten ermittelt.
Bewerber, die den Test bestehen, werden zur ärztlichen Untersuchung eingeladen. Über die endgültige Eignung entscheidet ein persönliches Gespräch (Exploration), das zwei Testleiter mit dem Bewerber führen. Wenn eine Bewerberin zum Gespräch eingeladen wird, muss eine Testleiterin im Team sein. Die Bewerber kommen aus allen Bildungsschichten; in den letzten Jahren bewarben sich auch Akademiker für die Polizei- und Gendarmerielaufbahn. In den Bundesländern, wo es Polizei- und Gendarmerieschulen gibt, soll es in Zukunft nur mehr eine Ausbildungsstätte für beide Wachkörper geben, ein so genanntes Bildungszentrum. In der Polizeischule in Wien werden seit 1. Dezember 2001 erstmals Polizisten und Gendarmen gemeinsam ausgebildet.
Der Psychologische Dienst ist auch zuständig für die Auslese von Bewerbern für das Einsatzkommando Cobra und den Entminungs- und Entschärfungsdienst, von verdeckten Ermittlern, Präzisionsschützen sowie Lehrern bei Polizei und Gendarmerie. Ministerialrat Walter und sein Team wirken mit an der Erstellung von Anforderungsprofilen für Mitarbeiter, wie zum Beispiel für das Eko-Cobra und für das Bundeskriminalamt.
Präzisionsschützen werden psychologisch getestet, sie müssen oft in einer besonderen körperlichen Stellung über einen längeren Zeitraum konzentriert bleiben. "Im Ernstfall muss er hundertprozentig da, reaktionsschnell und reaktionssicher sein. Es nützt nichts, wenn er unheimlich schnell ist, aber die Geisel erschießt", erläutert Abteilungsleiter Reinhold Walter.
Angehende Führungskräfte werden in einem Gruppenauswahlverfahren (Assessment-Center, AC) ausgewählt. Die Psychologen haben an der Entwicklung dieses Auswahlverfahrens mitgearbeitet. In einem AC geht es um das "Wie": Wie gehen Sie an ein Problem heran? Wie entwickeln Sie einen Lösungsansatz? Wie diskutieren Sie? Wie behaupten Sie sich im Team? Wie reagieren Sie auf Stress? Bei den einzelnen Aufgaben des AC wie zum Beispiel Diskussionen, Fallstudien, Vorträgen, Rollenspielen, Tests und Interviews werden die Bewerber von einem Beobachter-Team unter die Lupe genommen. Der Vorteil ist, dass ein Team oder mehrere Teams von Assessoren (Beurteilern) gleichzeitig und unabhängig voneinander ein vorgegebenes Profil für die angestrebte Tätigkeit beurteilen. Ein Moderator steuert den Gesamtablauf im AC. Er bereitet das Verfahren vor und wählt die Übungen aus.
Das Gruppenauswahlverfahren ist in den 30er Jahren von Deutschen Wehrmachtspsychologen entwickelt worden. In den 50er Jahren wurde es in den USA weiterentwickelt und wird seit Mitte der 70er Jahre wieder in Europa zur Personalauswahl eingesetzt.
Psychologische Aus- und Fortbildung
Die Psychologen des Innenministeriums halten Seminare ab, etwa zur Stressbewältigung, Kommunikation, Massenpsychologie sowie Veranstaltungen zur Ausbildung von bestimmten Gruppen innerhalb der Exekutive wie Lehrer, die das Lehrfach "Angewandte Psychologie" in den Bildungszentren der Exekutive unterrichten. Zwei Wochen wird das Fach "Angewandte Psychologie" in der Grundausbildung unterrichtet. Der Unterricht wird im "Teamteaching" von zwei Psychologielehrern gestaltet, ein Lehrer der Schule und ein Beamter aus der Praxis. "Teamteaching" wird auch bei den Seminaren der Sicherheitsakademie, bei den Fortbildungs- und Führungsseminaren angewandt. In einem vierwöchigen Seminar werden Beamtinnen und Beamte für Verhandler bei Geiselnahmen ausgebildet; ein Fortbildungsseminar findet mindestens einmal jährlich statt. Verhandler gibt es bei der Polizei, Gendarmerie und der Kriminalpolizei. Bei einer Geiselnahme bestimmt der Leiter der Gruppe, wer mit dem oder den Tätern verhandeln soll. Verhandler ist ein Exekutivbeamter, kein Psychologe.
In Seminaren für die Sicherheitsverwaltung werden Mitarbeiter in "professionellem Umgang mit Kunden" ausgebildet. "Das sind zum Beispiel Leute aus dem Meldeamt und aus dem Führerscheinreferat, die oft unter großem Druck stehen, wenn unfreundliche Kunden kommen und auf den Tisch hauen, und irgendwann hat man genug und muss trotzdem freundlich sein", erläutert Abteilungsleiter Walter.
Problemabschiebungen
Für die Abschiebung von Fremden auf dem Luftweg bilden die Psychologen Beamte aus, die aus der Wega und dem Eko-Cobra kommen. Weiters schulen sie Betreuer nach Schusswaffengebrauch und nach traumatischen Ereignissen wie nach schweren Unfällen oder Katastrophen sowie Betreuer nach kritischen Flugereignissen. Beamte des Innenministeriums, die im Rahmen der UNO im Ausland Dienst verrichten, werden vor und nach einem Auslandseinsatz psychologisch betreut.
Siegbert Lattacher
Die Hauptaufgaben
Psychologische Ausleseuntersuchungen (Feststellung der persönlichen und sozialen Kompetenz) für
Mitwirkung an Ausbildungen:
Psychologische Beratung und Betreuung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Innenressorts.
Fußzeile BM.I Bundesministerium für Inneres, Postfach 100, A-1014 Wien,Telefon: +43-(0)1-53126-2307 | Kontakt