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Das Magazin des Innenministeriums, Nr. 9-10/2001

SICHERHEITSAKADEMIE

Kulturelle Vielfalt

Die Sicherheitsakademie und das Internationale Zentrum für Kulturen und Sprachen bieten den Lehrgang "Polizeiliches Handeln in einer multikulturellen Gesellschaft" an.

Christoph besucht eine Volksschule im 17. Wiener Gemeindebezirk. Die Eltern seiner Klassenkameraden stammen aus England, Finnland, Georgien, dem ehemaligen Jugoslawien, Spanien, Tschechien, der Türkei und Österreich. Die multikulturelle Gesellschaft ist in dieser Schule Realität.
Auch für Exekutivbeamte bzw. Bedienstete der Sicherheitsverwaltung ist der Kontakt mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturen alltäglich. Um in diesem Umfeld professionell arbeiten zu können, bedarf es eines neuen Verständnisses.

Das Internationale Zentrum für Kulturen und Sprachen im Verband der Volkshochschule Favoriten und die Sicherheitsakademie erarbeiteten ein Lehrgangskonzept, das speziell auf die Bedürfnisse von Exekutivbeamten und sonstige Bedienstete der Sicherheitsverwaltung abgestimmt ist. Methodisch wurden neue Wege gesucht, um die herkömmlichen Formen sinnvoll zu erweitern, mit denen man sich üblicherweise dem Thema annähert und es zu vermitteln versucht. Es werden sechs zweitägige Seminare von September bis Juni angeboten.

Die Themen beginnen beim polizeilichen Handeln, wo versucht wird, die Arbeitssituation der Teilnehmer näher zu beleuchten und die entsprechenden Anknüpfungspunkte zu Einwanderern zu finden. Weitere Themenfelder sind Konflikthandhabung, Menschenrechte, Diskriminierung und Rassismus.

Hier findet sich neben den gewohnten Formen wie traditioneller Informationsvermittlung und Trainingsphasen auch breiter Raum zur Reflexion, zum Austausch und zur Diskussion eigener Berufs- und Alltagserfahrungen. Parallel zu diesen Seminarmodulen finden an vier Abenden moderierte Gruppentreffen statt -- sie bieten unter dem Titel "Tandem" die Möglichkeit, sich mit Einwanderern über deren Migrationserfahrungen auszutauschen. Vertieft werden diese persönlichen Kontakte durch individuelle Treffen zwischen Migranten und Lehrgangsteilnehmern. Dieses Lernen im persönlichen Kontakt stellt für die meisten Teilnehmer eine neue Erfahrung dar, die lange Zeit über den Lehrgang hinaus wirken.

In einem Pilotprojekt 1999/2000 wurden erste Erfahrungen mit dem Lehrgangskonzept gewonnen, die zu einer grundlegenden Überarbeitung der Seminarinhalte unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Kriterien führte. Der zweite Lehrgang 2000/2001 stieß mit seinem verbesserten Design bei den Teilnehmern auf eine positive Resonanz.
Aufgrund der positiven Rückmeldungen und der Nachfrage wurde der Lehrgang in das Fortbildungsangebot der Sicherheitsakademie übernommen.

In einem nächsten Schritt sollen die bisherigen Erfahrungen abgesichert und ausgewertet werden. Aus organisatorischen Gründen war die Teilnahme am Lehrgang bisher auf die Angehörigen der Wiener Polizei beschränkt; der Lehrgang 2001/2002 wird auf Ostösterreich ausgeweitet und auch die Gendarmerie als Zielgruppe umfassen. Danach könnte der Lehrgang bzw. das Konzept österreichweit angeboten werden.

Mit dem Lehrgang "Polizeiliches Handeln in einer multikulturellen Gesellschaft" wurde von der Sicherheitsakademie eine wichtige Ausbildungsmaßnahme vorgelegt, um einen weiteren Beitrag zur Professionalisierung des beruflichen Handelns der Bediensteten des Innenministeriums im Migrationsbereich zu leisten.

Peter Glanninger

BM.I Bundesministerium für Inneres, Postfach 100, A-1014 Wien,Telefon: +43-(0)1-53126-2307 |  Kontakt

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