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Das Magazin des Innenministeriums, Nr. 1-2/2000
Etwa 2.000 Einsatzkräfte aus elf Staaten beteiligten sich an der internationalen Zivilschutzübung Comprotex '99 am 6. und 7. November 1999 im Dreiländereck Österreich, Slowakei, Ungarn – eine der größten Zivilschutzübungen in Österreich.
Samstag, 6. November, 8.45 Uhr: In einer Fabrik in der slowakischen Hauptstadt Bratislava kommt es durch die Verkettung unglücklicher Umstände zu einer Detonation. Die Fabrik wird beschädigt, als Folge davon kommt es um 9.23 Uhr zu einer weiteren, wesentlich größeren Detonation, bei der 43 Tonnen Chlor freigesetzt werden. Die gefährliche Substanz verbreitet sich wegen des Westwindes Richtung Kittsee im Burgenland. Eine lebensgefährliche Bedrohung für die Bewohner.
Dieses Szenario war Ausgangspunkt einer der größten Zivilschutzübungen, die es bisher in Österreich gab.
Die Zivilschutzübung mit internationaler Beteiligung Comprotex 99 (COMbined PROTection EXercise) am 6. und 7. November 1999 im Dreiländereck Österreich, Slowakei und Ungarn erfolgte im Rahmen der zwischen den Ländern vereinbarten Zusammenarbeit beim Zivilschutz sowie im Rahmen der Nato-Partnerschaft für den Frieden.
Organisiert wurde die Feldübung vom Bundesministerium für Inneres und den Einsatzorganisationen, insbesondere dem Bundesfeuerwehrverband und dem Österreichischen Roten Kreuz, dem Bundesministerium für Landesverteidigung sowie dem Burgenland, Niederösterreich und Wien. Am 6. und 7. Oktober 1999 gab es dazu eine Stabsrahmenübung.
Nach dem Unfall in der Fabrik informieren die slowakischen Behörden die Mitarbeiter der Bundeswarnzentrale des Innenministeriums in Wien über den Großbrand nach der Detonation: 12.000 Tonnen Pestizide sind ausgetreten. Die Slowakei ersucht um Nachbarschafts- und internationale Hilfe. Die Einsatzorganisationen werden verständigt, die Bewohner gewarnt.
Gegen zehn Uhr erreicht die Schadstoffwolke Kittsee. Einsatzkräfte versuchen durch Messungen festzustellen, wo und in welchem Ausmaß Menschen gefährdet sind. Teile der Bevölkerung werden evakuiert, ebenso das Krankenhaus Kittsee.
Die Abfertigung an den Grenzübergängen wird in das Landesinnere verlegt – entlang der Linie Wolfsthal, Edelstal, Gattendorf, Zurndorf und Friedrichshof. Dort werden Erste-Hilfe-Stationen eingerichtet. Es wird damit gerechnet, dass am nächsten Tag auch der Raum Pama/Deutsch Jahrndorf durch die Schadstoffe bedroht sein wird. Deshalb ordnen die Behörden die Evakuierung an. Neben dem grenznahen österreichischen und ungarischen ist vor allem slowakisches Staatsgebiet betroffen. Österreich nimmt entsprechend dem slowakischen Hilfeersuchen evakuierte Personen aus der Slowakei auf und unterstützt die Hilfskräfte im Nachbarland. Eisenbahnzüge werden übernommen und nach der Dekontamination aus dem Gefahrenbereich gebracht.
An der Comprotex 99 waren beteiligt: Vertreter der Nato-Partnerschaft für den Frieden und der Vereinten Nationen sowie Mitglieder von Einsatzorganisationen aus der Slowakei, Österreich, Ungarn, Tschechien, Polen, Deutschland, Finnland, Lettland, Litauen, Slowenien und der Schweiz – vorwiegend speziell für den Schadstoffeinsatz oder für medizinische Hilfe ausgebildetes Personal. Die österreichische Hilfsmannschaft in der Slowakei, kommandiert von Landesbranddirektor-Stellvertreter Ing. Herbert Schanda, umfasste ca. 300 Personen und 65 Fahrzeuge und bestand aus Einheiten der Wiener Berufsfeuerwehr, der niederösterreichischen und burgenländischen Freiwilligen Feuerwehren und des Roten Kreuzes sowie Hubschraubern des Innenministeriums. Insgesamt waren in den Übungsräumen in der Slowakei, in Ungarn und in Österreich nahezu 2.000 Einsatzkräfte aus insgesamt elf Staaten eingesetzt; etwa 1.000 davon auf österreichischem Staatsgebiet.
Die Übung hatte den Zweck, durch lokale Szenarien den Ablauf und die Koordination eines internationalen Hilfseinsatzes darzustellen und die unterschiedlichen Hilfsmechanismen aufeinander abzustimmen. Ein reibungsloses Zusammenspiel von zivilen und militärischen Kräften im Bereich der Katastrophenhilfe auf nationaler, bilateraler und multinationaler Ebene sollte im Anlassfall ein Maximum an Schutz und Sicherheit der Bevölkerung gewährleisten. Von Kommunikationsschwierigkeiten unterhalb der in Englisch kommunizierenden Leiterebene abgesehen, hat sich die Zusammenarbeit der Behörden in Österreich, der Slowakei und Ungarn als wirkungsvoll erwiesen.
Im Ernstfall würde die Bevölkerung über Feuerwehr/Zivilschutzsirenen gewarnt und via Radio und Fernsehen über die Situation und das richtige Verhalten informiert werden. Der vom Bundesministerium für Inneres herausgegebene "Störfallschutz-Ratgeber", der anschaulich und ausführlich über das richtige Verhalten bei Chemie- und Industrieunfällen informiert, wurde während der Comprotex 99 in den betroffenen Gemeinden verteilt.
Peter Kis
Störfallschutz-Ratgeber: Bundesministerium für Inneres, Abteilung für Zivilschutz, 1014 Wien, Herrengasse 7, Postfach 100 (Die Zusendung ist kostenlos).
Fußzeile BM.I Bundesministerium für Inneres, Postfach 100, A-1014 Wien,Telefon: +43-(0)1-53126-2307 | Kontakt