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Der "Eiskeller" (Raum P2)
In dem wohl architektonisch interessantesten Raum des Museums, einem im 18. Jahrhundert in Ziegelbauweise errichteten, gewölbten Eiskeller, begenet der Besucher in eindrucksvoller Präsentation den bedeutenden Kriminalfällen der Zwischenkriegszeit.
Der "Mord im Lainzer Tiergarten" war für die Bevölkerung im Jahr 1928 eine makabre Sensation - für die Kriminalisten dieser Zeit ein schier unlösbares Rätsel. Erst ein Jahr später - im Sommer 1929 - konnte die Identität der Toten aus dem Lainzer Tiergarten geklärt werden, wobei ein wesentlicher Anteil daran die erkennungsdienstlichen Moulagen des Dr. Poller hatten. Als die so bezeichneten "Autobanditen" im Jahr 1929 die Wiener Innenstadt in Schrecken versetzten schien nach der Flucht der Täter der Fall unlösbar.
Durch die für damalige Begriffe schwierigen kriminaltechnischen Untersuchungen des gefälschten Kennzeichens am sichergestellten Fluchtfahrzeug gelang es, den Fall zu lösen und eine der gefährlichsten Banden jener Jahre in Haft zu nehmen.
Moulagen von Kriminalfällen jener Jahre, die letzlich zur Klärung der Fälle beitrugen, ergänzen diesen Schaubereich. Wirtschaftliche Not und politische Unsicherheit führten in den Jahren der Zwischenkriegszeit zu einer gewaltigen Steigerung von Verbrechen, wobei die Blutdelikte aufgrund ihrer Häufung immer wieder den Ruf nach der 1919 abgeschafften Todesstrafe laut werden ließen. So finden wir im Abschnitt den Fall des Waldläufers Josef Holler, der in den Jahren 1934 und 1935 zwei Frauen im Wienerwald ermordete und seinen Opfern Bissspuren zufügte, welche zu seiner Überführung beitrugen. Auch der Tod des ehemaligen Kavallerieoffiziers Wagner durch die wuchtigen Hiebe mit einem Schirmständer wurde zum Zeitbild ebenso wie die Fälle Leopold Nebohy 1932 oder Siegfried Kleiber 1932, die durch Tatwerkzeuge dokumentiert sind.
Der Fall Josefine Luner und der erschütternde Tod der kleinen Anna Augustin aus dem Jahr 1935 ist für viele ältere Wiener der Kriminalfall schlechthin. Erschütternde Details werden durch Beweisgegenstände zum Tatvorgang und die abgeschnittenen Locken des Opfers anschaulich gemacht.
Auch die Polizeibehörde war den Turbulenzen jener unruhigen Jahre in besonderem Maße ausgesetzt. Nach dem Tod Schobers im Jahre 1932 folgte Franz Brandl als Behördenleiter, bereits ein Jahr später Dr. Eugen Seydel, um dann von dem bis 1938 amtierenden Präsidenten Dr. Michael Skubl abgelöst zu werden. Sitz der Polizei war das traditionsreiche ehemalige Hotel Austria am Schottenring 11.
Die Zeit der Nationalsozialistischen Herrschaft (Raum Q)
In wenigen Bereichen wurde die Machtübernahme der Nationalsozialisten im März 1938 so rasch und gründlich durchgeführt wie auf dem Gebiet des Justiz- und Sicherheitswesens. Es waren nicht die Äußerlichkeiten, dass anstelle des Wiener Wachmannes der preußisch uniformierte Schutzpolizist auf den Straßen Wiens seinen Dienst versah - auch grundlegende Änderungen in Struktur und Aufgabenbereich ermöglichte die polizeistaatliche Kontrolle auf allen Gebieten.
Wie in allen Bereichen des damaligen Lebens finden sich auch in der Polizei und in der Justiz gleichermaßen Täter wie Opfer. Als besonders delikates Detail bei der Durchführung der NS-Verwaltung darf die Praktizierung der Todesstrafe angesehen werden.
Als 1934 von der Regierung Dollfuß die Todesstrafe wieder eingeführt wurde, brachte dies heftige Reaktionen der Nationalsozialisten in der Illegalität. Als nun 1938 Österreich ein Teil des Deutschen Reiches wurde, war es nicht einfach, der Öffentlichkeit die Weiterführung der vorerst so verpönten Strafform zu erklären. Es bedurfte eines spektakulären Kriminalfalles - dem Fall der Giftmörderin Martha Marek - dass der Ruf nach der Todesstrafe so laut wurde, dass sich die neuen Machthaber dem scheinbar nicht widersetzen wollten.
Eine Maschine wurde nach Wien gebracht, kurz als Gerät F bezeichnet und im Dezember 1938 nahm sie in einem Raum des Wiener Landesgerichtes ihre Arbeit auf. Das Fallbeil - eine perfektionierte Guillotine - war aus dem "Altreich" nach Wien gebracht worden. Der Spedition wurden als Inhalt der Kisten schlicht "Maschinenteile" für Gerät F in Berlin übergeben. Bis zum Jahr 1945 sollten mehr als tausend Enthauptungen mit diesem Gerät alleine in Wien erfolgen.
Die 2. Republik - die Jahre nach 1945 (Raum R)
Wenn der Betrachter das Untergeschoss des historischen Eiskellers - in welchem die Kriminal- und Polizeigeschichte der Zeit nach dem 2. Weltkrieg dargestellt ist - erreicht, so geht er gleichsam vorbei an den Ruinen der zerstörten Polizeigebäude, an der rot-weiß-roten Armschleife des provisorischen polizeilichen Hilfsdienstes vom April 1945 - zur Kundmachung über die "Wiederherrichtung der Polizeidirektion Wien" vom 13. Juni 1945. Damit ist gleichsam die Grundlage für die politische Tätigkeit ab der Stunde Null gelegt, einer Tätigkeit, die gerade im zerstörten Nachkriegs-Wien von existentieller Bedeutung war. Das "Wien des dritten Mannes" war in den ersten Nachkriegsjahren geradezu ein Eldorado für Täter jeder Art: Entführungen, Gewaltverbrechen, Plünderungen und "Selbstjustiz" standen an der Tagesordnung. So können der Fall Oskar Wrany - ein zweifacher Mord der Jahre 1945/46, der Mord am Uhrmacher Johne 1946, oder der Raubmord vom Bisamberg 1949 sowie der Fall Margarethe Seitz 1948 nur ein kleiner Hinweis auf das Kriminalgeschehen dieser Jahre sein. Anhand von Moulagen werden die Fälle dieser Zeit anschaulich vermittelt. Wie beim Fall Seitz ist auch der Fall Johann Rogatsch in eindrucksvoller Weise durch die Tatwerkzeuge belegt.
Der Fall Adrienne Eckhardt 1952 und die Suche nach dem "Unbekannten im Daufflecoat" ist wohl der bekannteste Fall der jüngeren Kriminalgeschichte. Das Tatwerkzeug - eine Fleischerfaschiermaschine illustriert neben Bildmaterial diesen Mordfall.
Auch bekannte Fälle wie der des "Hackenattentäters" Arthur Karl Sch. von 1983 oder des dreifachen Mörders Günther L. 1983 sind durch Tatwerkzeuge belegt. Der Mord am Wiener Stadtrat Heinz Nittel vom 1. Mai 1981 findet durch die am Tatort aufgefundenen Windjacke Erwähnung.
Auch der Behörde wird in diesem Raum gedacht: So finden sich die Bilder der Wiener Polizeipräsidenten von Ignaz Pammer, Arthur Klauser, zum legendären Josef Holaubek und seinem Nachfolger Dr. Karl Reidinger und Dr. Günther. Bögl bis zu dem derzeit amtierenden Polizeipräsidenten Dr. Peter Stiedl. Auch die Amtsgebäude werden dargestellt, sei es das Deutschmeisterpalais am Parkring oder die am Platz des ehemaligen Wiener Ringtheaters errichtete neue Polizeidirektion am Wiener Schottenring.
Todesstrafe im Österreich (Raum S)
Gleichsam als Abschluss der Dokumentation wird der Geschichte der Todesstrafe in Österreich in eindrucksvoller und mahnender Form gedacht und der Besucher steht vor jenem Würgegalgen, der immerhin bis zum Jahre 1950 zur Praxis der österreichischen Justiz gehörte. Geräteschaften des Wiener Scharfrichters aus den Jahrzehnten vor 1950 und Bildmaterial runden dieses ernste Thema - bewusst im letzten Schauraum - ab.
Anhand der Schautafel kann man sich über die Zahl der Hinrichtungen in den letzten hundert Jahren informieren. So wurden in den letzten vier Jahrzehnten der Monarchie 13 Personen gehenkt, in den vier Jahren des Ständestaates waren es mehr als 20, in der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft über 1.000 und in den ersten vier Jahren der 2. Republik (1945 bis 1950) starben immerhin allein in Wien noch 31 Menschen am Galgen.
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