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Die Zeit ab 1900 - Fortsetzung (Raum M)
Ein Kriminalfall von größter Bedeutung aus dem Jahr 1909 begegnet uns zu Beginn: der Giftmord des Oberleutnant Adolf Hofrichter, der durch zahlreiche Filme und Publikationen internationales Interesse gefunden hat. Auszeichnungen und Dekrete eines Kriminalisten, der an der Aufklärung des Falles Hofrichter mitbeteiligt war, illustrieren den polizeilichen Bereich dieses Kriminalfalles.
Die Verwendung von Hunden für den Polizeidienst in jenen Jahren wird in gleicher Weise dargestellt wie der Einsatz des Polizisten zu Pferd, eine Einrichtung, die als berittene Sicherheitswache vorwiegend in unverbautem Gelände eine wichtige Aufgabe bei der Bekämpfung der Kleinkriminalität hatte.
Ein durch technische Manipulationen veränderter Glücksspielautomat beleuchtet die Welt der Strizis und der kleinen Ganoven im Wiener Prater zu Beginn unseres Jahrhunderts. Erschütternd und eindrucksvoll berührt jedoch der Fall Maria Bartunek aus dem Jahr 1910.
Die ganze soziale Problematik dieser Zeit wird deutlich, wenn man die verzweifelten Versuche der Näherin Louise Weis betrachtet, die von ihrer Verwachsung geheilt werden wollte und in die Hand einer Betrügerin gefallen war.
Detaillierte Beweisgegenstände aus der Wohnung der Täterin zeigen den Stellenwert, der auch in dieser Zeit den Sachbeweisen in der Kriminalistik eingeräumt wurde.
Die Zeit ab 1900 - Fortsetzung (Raum N)
Beherrschend in diesem Raum begegnet man dem 1904 erbauten Polizeigebäude auf der damals noch so bezeichneten Elisabethpromenade.
Der Besucher soll damit in eine Zeit geführt werden, in welcher die Bedeutung der Wiener Kriminalistik Weltgeltung hatte. Einführung in die Daktyloskopie, das Moulagieren, erkennungsdienstliche Darstellungen und eine Mustertasche für Kriminalbeamte - in Wien entwickelt - weisen den Weg in die Zukunft.
Aber auch Relikte des k.k. Polizeimuseums Wien zeigen auf, welche Bedeutung man der Kriminalistik im Österreich jener Zeit beimaß.
Die Zeit ab 1900 - Fortsetzung (Raum O)
Gewalt begleitet diesen Zeitabschnitt von der ersten Schautafel - das Attentat gegen den Justizminister Hochenburger 1911 - beginnend und im Strudel der untergehenden Monarchie endend.
Wie das erwähnte Attentat gegen den Minister waren auch Ereignisse - so der Mord am sozialdemokratischen Abgeordneten Schuhmeier 1913 oder das Attentat gegen den Ministerpräsidenten Strürgkh 1916 - bezeichnend für die Gewaltbereitschaft auf politischem Gebiet.
Auch die Kleinkriminalität in dem zur Weltstadt gewordenen Wien berührt eigenartig.
So ist die tätliche Auseinandersetzung des Wiener Lebemannes Graf Sternberg mit einem "Negertänzer" im Moulin Rouge oder die Falschspielerkünste eines Betrügers mehr im Bereich des Skurrilen angesiedelt. Diese letzten Jahre des Friedens und der relative Wohlstand führten zu einer beachtlichen Zunahme galanter Salons oder tolerierter Häuser, wie man die Geheimbordelle im Wien dieser Zeit bezeichnete. In den Schautafeln begegnen wir künstlerisch erstklassigen pornografischen Farbgrafiken, die durch Polizeiagenten bei der Auflösung der erwähnten Etablissements beschlagnamt wurden.
Auch Blutdelikte, wie der Fall Leopold Soda 1912, der Fall Andreas Novak 1912, der Fall Erwin Gubesch 1918 oder der Fall Emmo Davit 1918 mit den vorhandenen Beweisgegenständen dokumentieren die Blutdelikte dieses Zeitraums.
Nicht minder in seiner tragischen Bedeutung für die Opfer waren auch die als "Verbrechen wider die Kriegsmacht des Staates" gesetzten Handlungen betrügerischer Elemente. So führte der Verkauf minderwertigen Schuhwerks an die kriegsführende Armee während des Ersten Weltkriegs zu teilweise katastrophaler Unbeweglichkeit der Soldaten im Feld, die oft im Karst der Südfront oder den ukrainischen Sümpfen ohne Schuhwerk das sichere Ziel gegnerischer Scharfschützen wurden.
Auch ein Produkt des Krieges im weitesten Sinn war der als Einbrecherkönig bezeichnete Johann Breitwieser, der durch seine scheinbar gerechtfertigten Raubzüge gegen vermögende Institutionen im Ruf eines österreichischen Robin Hood stand und 1919 im Kampf mit der Polizei den Tod fand.
Das Ende der alten Uniform bei der Polizei geht mit dem Ende des alten Österreichs Hand in Hand. Der Glanz der Adjustierung des Staatsdieners wird durch den feldgrauen Mantel aus Brennesselstoff abgelöst, um sich einige Jahre später noch einmal zu verändern. Johann Schober, ein aus Oberösterreich stammender Konzeptsbeamter der Wiener Polizei wird im Sommer 1918 von Kaiser Karl I. zum Wiener Polizeipräsidenten bestellt. Er sollte nicht nur bis 1932 das polizeiliche, sondern auch das staatliche Bild Österreichs entscheidend prägen. Er steht am Ende des Dokumentationszeitraumes der zehner Jahre für den kontinuierlichen Übergang der Monarchie zur Republik.
Die Zeit nach dem ersten Weltkrieg (Raum P1)
So unbedeutend die kleine Republik "Deutsch-Österreich" nach dem verlorenen Krieg war, so sehr wurde Österreich - geführt durch die Hand Schobers - auf dem Gebiet des Kriminal- und Polizeiwesens zur Weltmacht. Das Zitat: "Wien hat die beste Polizei der Welt" kam nicht von ungefähr. Bedenkt man, dass 1923 in Wien die Interpol gegründet wurde und auch hier bis zum Zweiten Weltkrieg ihren Sitz hatte.
Auch der Umstand ist eindrucksvoll, dass man der organisierten Kriminalität in Chicago nur mit Hilfe der Wiener Kriminalisten Herr wurde. Oder: Bei der Bekämpfung von Banknotenfläschungen hieß der renommierteste Fachmann Dr. Artur Klauser - er gehörte der Wiener Polizei an. Mit dem Einführen des Moulagierens, also der Abformung von Leichenteilen oder Objekten für erkennungsdienstliche Zwecke durch den im Wiener Polizeidienst stehenden Dr. Poller, war ein geradezu sensationeller Schritt auf dem Gebiet des Erkennungswesens.
Als 1924 der österreichische Bundeskanzler Ignaz Seipel unter den Revolverschüssen eines Mannes Namens Karl Javorek schwer verletzt zusammenbrach, vermutete die Öffentlichkeit zuerst politische Hintergründe der Tat. In Wahrheit - und das sollte sich bald herausstellen, war es eine Tat im kriminellen Leben eines Einzeltäters ohne politische Zielsetzung.
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