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Der Fall Ebergenyi

Im April des Jahres 1868 bewegte ein Strafverfahren nicht nur die österreichische Öffentlichkeit, auch die Gesellschaft der Monarchie war durch das Verfahren und dessen breite Medienberichterstattung zutiefst betroffen und verunsichert. Es war wohl außergewöhnlich, daß zwei namhafte Mitglieder des österreichischen wie auch des ungarischen Adels vor Gericht standen, angeklagt des gemeinen Mordes - des "Meuchelmordes", wie die Anklage sagte.

Im Hintergrund der gesellschaftlichen Sensation stand aber auch die immense politische Bedeutung des Falles, stand doch auch an dieser Zeitenwende das alte Feudalsystem dem neuen liberalen Zeitgeist gegenüber und der Kriminalfall wurde so zur Nagelprobe für das System. Angeklagt war ein Mitglied eines der ältesten und einflussreichsten Häuser Österreichs, Gustav Graf Chorinsky, Freiherr von Ledske und die junge ungarische Aristokratin und Stiftsdame Julie Malwine Gabriele Ebergenyi von Telekes.

Politisch fast ein Zündstoff - war Chorinsky doch der Sohn des Statthalters von Niederösterreich, der de facto als Stellvertreter des Kaisers in einem Land fungierte, in dem auch die Reichshaupt- und Residenzstadt Wien lag und der in seiner Funktion auch so etwas wie ein Symbol der alten Ordnung war, welche immer mehr vom liberalen Zeitgeist in Frage gestellt wurde. Jahre zuvor hätte man die offene und kritische Berichterstattung eines so gelagerten Kriminalfalles wohl der Staatsreputation geopfert, 1868 war das aber weder gewünscht noch möglich. Der neue Rechtsstaat hatte, zumindest in diesem Fall, über Vertuschungs- und Protektionswirtschaft gesiegt.

 
Auch bei Julie von Ebergenyi war die Brisanz unübersehbar. Der Ausgleich mit Ungarn hatte für das ungarische Magnatentum einschneidende Veränderungen bewirkt und die öffentliche Anklage, die Häme und der Spott gegen eine Standesgenossin wurde als Demütigung gesehen - und war wohl mancherseits auch so beabsichtigt. In Karikaturen und ironischen Berichten überboten sich satirische Zeitschriften der Monarchie bei der Verbreitung süffisanter Details aus dem Privatleben des adeligen Mörderpaares und man konnte sich der Intimitäten nicht genug tun.

Ein peinliches Detail der Affäre war für den Wiener Hof auch der Umstand, daß Verhaftung und Gerichtsverfahren soweit, es den Grafen Chorinsky betraf, nicht in Österreich sondern am eigentlichen Tatort - in München - erfolgten und man weder vom korrekten Münchner Polizeidirektor Buchtorff noch von der bayerischen Justiz Rücksichten irgendwelcher Art bei den Ermittlungen und der Klärung des Falles erwarten konnte.

Das in Wien gegen die eigentliche Täterin, Juli von Ebergenyi vom 22.bis 25. April 1868 durchgeführte Verfahren erforderte dadurch zwangsweise eine ebensolche korrekte wie offene Vorgangsweise. Um das ganze Ausmaß des Kriminalfalls Chorinsky-Ebergenyi in seiner Vielfalt und seinen Hintergründen zu erkennen, soll in der Folge nun eine Studie des ehemaligen k.k.Polizeirates Dr. Edmund Ehrenfreund auszugsweise und in ergänzter Form wiedergegeben werden. Ehrenfreund konnte zur Jahrhundertwende bei der Erstellung seiner Studie noch auf Teile des kriminalpolizeilichen "Handaktes" zurückgreifen, der heute nicht mehr auffindbar ist und einer späteren Aktenskartierung zum Opfer gefallen sein dürfte. Dem Schreiber dieser Zeilen liegt jedoch eine nachzeitgenössische Abschrift des Gerichtsurteile gegen die Ebergenyi vor, welche scheinbar Ehrenfreund nicht zur Verfügung gestanden ist.

Der Fall stellt sich also dermaßen dar:
Bei der Kabinettsdienerswitwe Elise Hartmann in München, Amalienstraße 12 wohnte seit Anfang Oktober 1867 eine Dame, welche sich als Mathilde Baronin v. Ledske gemeldet hatte, sehr einfach lebte und mit niemand, außer einem Studenten namens Albert Mikulitsch.Umgang hatte. Am 20. November 1867 wurde sie aber von einer Dame aus Wien besucht, die im damaligen Gasthof "Zu den vier Jahreszeiten" abgestiegen war, vormittags zweimal erschien und am folgenden Tage nachmittags wieder vorsprach, um die Baronin zueinem Spaziergang aufzufordern.

Die beiden Frauen kehrten jedoch bald wieder zurück, worauf Frau von Ledske die Tochter ihrer Quartiergeberin namens Fanni um leihweise Überlassung eines Opernglases bat, da sie mit ihrer Besucherin abends eine Vorstellung des "Aktientheaters" besuchen wolle. Um halb sieben Uhr rief die fremde Dame nach Frau Hartmann und bestellte durch sie einen Wagen, verwehrte der Zimmerwirtin jedoch den Blick in das Zimmer der Baronin.

Frau Hartmann war bereits nach fünf Minuten wieder zur Stelle, da es ihr gelungen war, einen in der Nähe des Hauses stehenden Kutscher zu mieten, aber sie fand das Zimmer der Baronin verschlossen und vermutete nun, daß ihre Mieterin, des Wartens müde, mit dem Gast bereits zu Fuß ins Theater gegangen sei. Als Frau von Ledske entgegen ihren Gewohnheiten über Nacht ausblieb, verwunderte dies die Zimmerwirtin wohl, Frau Hartmann erklärte sich diesen Umstand jedoch damit, daß die Baronin wohl im Hotel bei der Freundin geschlafen habe.

Am 22. November wurde Frau Hartmann jedoch schon besorgt, als die Baronin auch weiter fernblieb. Sie suchte daher das Hotel auf, um nach dem Verbleib der beiden Damen zu forschen und erfuhr zu ihrem großen Erstaunen, daß die Fremde schon am 21. November, also - am Vortage - allein abgereist sei. Ratlos ging die Zimmervermieterin nun wieder in ihre Wohnung in die Amalienstraße und machte ihrem Nachbarn, dem Studenten Struve, von diesen, für sie unerklärlichen Vorgängen Mitteilung.

Struve erzählte, daß er die beiden Frauen lustig über Reiseerlebnisse plaudern gehört habe, machte aber den Vorschlag, das Zimmer der Baronin vielleicht doch einmal näher in Augenschein zu nehmen um möglicherweise eine Spur der vermißten zu finden.

Frau Hartmann drang daraufhin in Begleitung ihrer Tochter durch eine nicht benützte Seitentür in das Zimmer ein und stand voll Entsetzen vor der Leiche der Frau von Ledske. Die Tote lag auf dem Fußboden, wohin sie hinter einem Tische geglitten war, der Kopf ruhte noch auf dem Sofa. Aus dem Munde war ein Blutstrom gequollen. Die Leiche war längst erkaltet. Der Tod mußte also schon vor längerer Zeit eingetreten sein. Der Tisch trug die Reste einer reichhaltigen Teejause.

Merkwürdigerweise fehlte aber die Teekanne und der Tee selbst war in einen Wasserkrug gegossen worden. Desgleichen war der Schlüssel zur Stubentür und zur Kommode der Toten verschwunden. Daß hier ein Verbrechen geschehen sei, war außer Zweifel, und Frau Hartmann eilte sofort auf die Polizei. Diese und der herbeigerufene Polizeiarzt stellte fest, daß Baronin von Ledske möglicherweise durch eine Zyankalivergiftung gestorben sei und zwar offensichtlich durch Mörderhand.

Die Gerichtsärzte Professor Dr. Martin und Dr. Riedinger konnten diese Annahme etwas später auf Grund des Obduktionsbefundes vollinhaltlich bestätigten An einen Selbstmord - der natürlich auch in Erwägung gezogen wurde - konnte man auf Grund der näheren Umstände jedoch nicht glauben. Die Verstorbene hatte den Eindruck einer lebensbejahenden Frau gemacht, welche nie Selbstmordabsicht geäußert hatte wie der Studenten Mikulitsch, mit dem sie ein bestes Einvernehmen gehabt hatte, bestätigte. Auch viele sachliche Umstände ließen einen Selbstmord oder Unfall ausschließen. So war z. B. die Kerze nicht herabgebrannt, sondern ausgelöscht, der schlagendste Beweis für ein Verbrechen war das Fehlen der Zimmerschlüssel. Was das Motiv anlangt, konnte ein Raubmord allerdings nicht angenommen werden, denn von den zahlreichen Schmucksachen und vom Bargeld fehlte nichts als ein goldener Siegelring.

Dagegen fehlten zahlreiche Privatbriefe offensichtlich vom Täter-oder der Täterin entwendet. Die Meldung vom geheimnisvollem Tod der Dame aus Wien verbreitete sich in München bald wie ein Lauffeuer und wurde zur ungeheuren Sensation. Der Münchner Polizeidirektor von Buchtorff nahm daher die Leitung der Amtshandlung persönlich in die Hand. Als Täter konnte wohl kaum jemand anderer in Betracht kommen, als die unbekannte Dame aus Wien - der letzte Gast der Ermordeten - und die Polizei begann also ihre Erhebungen im Quartier der unbekannten Besucherin, bei den "Vier Jahrestzeiten".

Dort bekamen die behördlichen Organe die Information, daß die Gesuchte, welche sich als "Maria Baronin Vay" gemeldet hatte, nicht allein, sondern in Begleitung eines jungen Mannes am 20. November früh um dreiviertel sechs Uhr im Hotel angekommen war. Beide fielen im Hause durch ihre besondere Eleganz auf. Das Paar bezog getrennte Zimmer, ging aber bei Tage zusammen aus, speiste gemeinschaftlich und besuchte auch gemeinsam eine Theatervorstellung.

Der unbekannte Herr reiste aber am nächsten Tage ab, während die Dame noch in München blieb. Am 21. November "schlief sie sehr lange, zündete sich eine Zigarre an, ging gegen Mittag aus, um gegen 3 Uhr zurückzukehren und ein Fläschchen Muscat Lunel sowie eine Flasche Rotwein zu bestellen....² Sie genoß von den Getränken nichts, sondern goß dieselben in "zwei kleine Kristallflaschen, die sie aus ihrem Koffer hervorholte², und ließ die letzteren vom Lohndiener Deininger gut zupfropfen, der nun vor der Polizei diese Angaben machen konnte.

Sie entfernte sich hierauf mit dem Bemerken, daß sie die Absicht habe, noch zwei Tage hier zu bleiben, um sich die Stadt anzusehen. Das Personal war daher einigermaßen erstaunt, als die elegante Dame um 7 Uhr sehr erhitzt in den Gasthof zurückkehrte, ihre Rechnung verlangte und in großer Aufregung mitteilte, daß sie sofort nach Paris weiterreisen müsse, da sie eine Depesche von ihrem Gemahl erhalten habe. Ein Telegramm aber war im Hotel nicht eingelangt.

Man respektierte natürlich den Wunsch der Dame, welche ganz besonders reichliche Trinkgelder gab und derart verwirrt war, daß sie einen Kellner zweimal beschenkte und ihm auch noch ein drittes Mal ein Trinkgeld reichen wollte. Die Durchsuchung des Nachlasses der toten Baronin von Ledske förderte interessante Dokumente zutage, die ihre wahre Identität dokumentierten.

Aus den gefundenen Papieren ging hervor, daß sie in Wirklichkeit die geschiedene Gattin des Grafen Gustav Chorinsky, Freiherrn von Ledske war. Ihr richtiger Name lautete demnach: Mathilde GräfinChorinsky, Freifrau von Ledske. Graf Gustav Chorinsky war der Sohn des k. k. Statthalters von Niederösterreich.

Der Münchner Polizeidirektor telegraphierte nach Feststellung dieser Daten und der Identität der offenbar Ermordeten an den Statthalter nach Wien und teilte ihm das plötzliche Ableben seiner Schwiegertochter mit, ohne dabei zu erwähnen, daß dieselbe eines gewaltsamen Todes gestorben sei. Am 25. November früh traf Graf Chorinsky senior beim Münchener Polizeidirektor ein und bat um die Bekanntgabe der näheren Todesumstände seiner Schwiegertochter, worauf Herr von Burchtorff dem Grafen seine Begleitung in das Hotel "Bayerischer Hof",wo dieser abgestiegen war, anbot.

Dem Statthalter war dies zwar nicht angenehm, der Polizeidirektor ließ sich diese Artigkeit aber nicht nehmen, weil er gute andere Gründe hiezu zu besitzen glaubte. Der Graf schlug einen Umweg vor, um sich, wie er vorschützte, am Promenadenplatze die Monumente zu besehen, doch ging er achtlos an denselben vorüber. Dies fiel dem aufmerksamen Polizeidirektor auf. Außerdem trafen sie auf dem Platz auf einen sehr eleganten jungen Mann, welcher sich als der Sohn des Grafen entpuppte und äußerst betroffen schien, als er erfuhr, wer Herr von Burchtorff sei.

Dem Polizeidirektor entging es ferner nicht, daß Graf Chorinski junior scheu und beunruhigt die entgegenkommenden Gendarmen und Polizisten beobachtete und sich hartnäckig weigerte, die Leiche seiner Frau oder gar nur deren Wohnung in Augenschein zu nehmen. Aus seinen Äußerungen erkannte der Polizeidirektor jedoch, daß der junge Graf seine verstorbene Gattin glühend gehaßt hatte.

Herr von Burchtorff beschloß, telegraphische Informationen aus Wien einzuholen und bestellte Vater und Sohn, die er heimlich beobachten ließ, abends nochmals in sein Büro. Graf Gustav Chorinski ging um die angegebene Zeit sehr aufgeregt vor der Polizeidirektion auf und ab und wollte das Haus nicht betreten.

Mittlerweile hatte Herr von Burchtorff in Erfahrung gebracht, daß der junge Graf ein sehr zweifelhafter Charakter sei, daß er heimlich im Wege der österreichischen Gesandtschaft über seine Gattin Erkundigungen eingezogen hatte und ähnliches mehr. Herr von Burchtorff setzte sich auf Grund dieses Wissens mit dem Untersuchungsrichter ins Einvernehmen und verschaffte sich einen gerichtlichen Haftbefehl gegen den Grafen.

Damit ausgestattet, erklärte er den Kavalier nach einer kurzen Einvernahme für verhaftet. Bei der Leibesvisitation fand man einen Rosenkranz, mehrere Gebetsabschriften und vier Photographien von ein und derselben Dame. Man zeigte die Bilder der Frau Hartmann sowie dem Hotelpersonal und die Vermutung fand ihre Bestätigung, die Bilder zeigten das Konterfei der angeblichen Baronin Vay, welche nach menschlicher Berechnung und polizeilicher Vermutung den Tod der Gräfin Chorinsky verschuldet hatte.

Die Verdächtige hieß aber nicht Baronin Vay, wie sich nun herausstellte, sondern Julie Malvine Gabriele Ebergenyi von Telekes und wohnte in Wien, Innere Stadt, Krugerstraße 13. Das Resultat der Münchener Erhebungen wurde telegraphisch der Wiener Polizeidirektion übermittelt, worauf sich am Abend des 26. November der Polizeikommissär Karl Breitenfeld, der später zu einer der legendärsten Figuren der österreichischen Kriminalistik werden sollte, in die bezeichnete Wohnung der adeligen Stiftsdame begab, um ihr anzukündigen, daß er Befehl habe, sie unter dem dringenden Verdacht des Giftmordes zu verhaften.

Julie von Ebergenyi schien völlig fassungslos, rang nach Worten und brachte nur mühselig hervor: "Mich wollen sie wegführen ? Mich, die Stiftsdame Ebergenyi?". Als ihr der Kommissär in bestimmter Form den Zweck seines Besuches wiederholte, schrie sie: "Ich bin unschuldig, wahrhaftig, ich bin unschuldig!"

Dabei begann sie aber zu zittern, wurde bleich und machte den Eindruck einer von Fieber geschüttelten Person. Sodann stürzte sie in einen Fauteuil und weinte. Wenige Minuten später hatte sie jedoch ihre Fassung wieder erlangt, erhob sich und bat, die Nachtkleider gegen andere Gewänder vertauschen zu dürfen, was ihr auch erlaubt wurde.

Man brachte sie sodann in einem Wagen in das Polizeigefängnis, wo sie bereits der Untersuchungsrichter Dr. Fischer erwartete. Ihre Schwester Agathe, welche Zeugin der Verhaftung war, verließ unmittelbar daraufhin Wien und reiste nach Ungarn zu ihren Angehörigen.

In Gegenwart des Untersuchungsrichters und des Kommissärs machte die Ebergenyi zunächst folgendes Geständnis: "Ich habe bei einem Photographen unbemerkt Zyankali genommen und dieses der Gräfin Mathilde Chorinsky, während wir auf unser beiderseitiges Wohl tranken, in den Tee gestreut². Hier trat der Polizeidirektor von Wien, Hofrat von Strobach, ein und wohnte dem weiteren Verhör bei.

"Ich bin in München unter dem Namen einer Baronin Vay im Hotel "Zu den vier Jahreszeiten² abgestiegen", gestand Ebergenyi weiter, "und habe mich der Gräfin als eine Durchreisende vorgestellt, welche sich von ihrer (der Gräfin) Liebenswürdigkeit persönlich überzeugen wolle. Wir verabredeten einen gemeinsamen Theaterbesuch. Ich brachte den Nachmittag bei ihr zu. Als ich mich entfernte, lag sie schon zwischen Kanapee und Tisch. Ich weiß nicht, ob das Gift plötzlich wirkte oder ob die Gräfin in diesem Augenblick schon tot war².

Nun ging eine kriminalpsychologisch hochinteressante Wandlung in der Beschuldigten vor: Als man sich bemühte, die Einzelheiten festzustellen und zu Papier zu bringen, hielt die Ebergenyi plötzlich inne, wurde auffallend kühl und bemerkte: "Ich sage es aufrichtig, ich war es nicht, aber schreiben Sie nur, daß ich es war. Ich stürze mich lieber in das Unglück, bevor ich denjenigen verrate, welcher die Idee zur Tat hatte. Es war jemand aus München, aber wie gesagt, ich gehe lieber ins Landesgericht, bevor ich ihn nenne. In München bin ich allerdings gewesen, das gestehe ich zu."

So wie die Ebergenyi nun aus einer geständigen Täterin ganz unvermittelt zu einer entschlossenen Lügnerin geworden, bereitete sie noch bei diesem ersten Verhör ihren späteren Prozeßstandpunkt vor. Sie wollte glauben machen, daß die Gräfin aus Gram über die Zwistigkeiten mit dem geschiedenen Gemahl Selbstmord begangen und es"auf sie "(die Ebergenyi) abgesehen hatte, "um sie ins Unglück zu stürzen². "Ich sah sie", log die Verhaftete, "wie sie eine Schale zum Wandkasten trug, dann fiel sie ihr weinend um den Hals, lehnte sich etwas an das Kanapee und stürzte leblos zu Boden. Auf das hin bin ich schnell fort und fuhr nach Wien. Anfangs dachte ich an eine Komödie, dann aber..."

Die Inquisitin machte hier eine kleine Pause und beendete ihre Erzählung mit den Worten: "Es war mein Fehler, daß ich sagte, ich käme von ihrem Manne, den ich recht lieb habe. Deshalb wollte sie mich vernichten, denn sie erklärte mir selbst vorher, daß sie allen fluche, welche Sympathie für ihren Gatten hegten." Die Kriminalbeamten versuchten vergeblich, die Wahrheit aus der Stiftsdame herauszubekommen, welche immer nur ausrief: "Es wird sich alles lösen!"

Die Verhaftung des den höchsten Ständen entrissenen Paares leitete einen Doppelprozeß ein, welcher eine der sensationellsten Affären der internationalen Kriminalgeschichte zum Gegenstande hatte. Dieses Dramas eröffnete einen entsetzlichen Abgrund von Unmoral, Roheit und Niederträchtigkeit. Es dauerte lange, bis der Wiener und der Münchener Untersuchungsrichter alle Fäden dieses verbrecherischen Intrigenspieles fanden, beide Beamten haben aber im Vereine mit den Sicherheitsbehörden in die geheimsten Seelenfalten der beiden adeligen Verbrecher geleuchtet und deren niedrige und geradezu abartige Gesinnung ans Tageslicht gebracht.

In den nachstehenden Zeilen sei das Schlußbild wiedergegeben, wie es sich vor Beginn der beiden Prozesse den Gerichten darbot:
Gustav Graf Chorinski entstammte einem alten mährischen Geschlecht und war im Jahre 1832 geboren. Mit siebzehn Jahren trat er in die Armee ein, kam nach Linz in Garnison und lernte dort im Sommer 1858 seine spätere Frau, die 1833 in München geborene Kaufmannstochter und Schauspielerin Mathilde Ruef kennen, in die er sich unsterblich verliebte.
 
Mathilde Ruef erfreute sich eines tadellosen Leumunds. Sie zählte damals fünfundzwanzig Jahre, galt als hübsch und talentiert und war wirklich eine bezaubernde Bühnenerscheinung. Graf Chorinsky bestürmte sie vergeblich mit seinen Liebesanträgen und als er ihr endlich seine Hand anbot, wies sie ihn im Hinblicke auf ihren beiderseitigen Standesunterschied zurück.
 
Der junge Offizier, welcher ein sehr einnehmendes Wesen besaß, aber ungemein leichtsinnig und hoch verschuldet war, gab trotzdem seine Bewerbungen nicht auf und so konnte er ihren ehrlichen Widerstand im Mai 1858 zu brechen. Das Paar verlobte sich, und nach einigen Wochen wurde die Schauspielerin die Geliebte des Grafen, dessen Geldnot stets wuchs, obwohl die Braut Darlehen und Aushilfen in reichem Maße gewährte.
Im Februar 1859 mußte Graf Chorinsky den Dienst quittieren, worauf auch Mathilde Ruef ihre Bühnenlaufbahn beendete und sich mit ihrem Bräutigam in Glasenbach bei Salzburg niederließ.
 
Dagegen protestierte aber der Vater des Grafen, welcher es veranlaßte, daß die Polizei das Paar trennte. Mathilde Ruef ging nach Bayern, der junge Graf nach Wien. Der Statthalter wußte es sodann durchzusetzen, daß sein Sohn abermals in die österreichische Armee Aufnahme fand.
Schon am 20. April 1859 sehen wir den Grafen Chorinsky junior in den Listen eines in Italien liegenden Regiments wieder. Von seiner Braut ließ er aber nicht. Er bestellte sie vielmehr heimlich nach Verona, wo sie ein totes Mädchen zur Welt brachte. Der Graf zeigte im Feldzuge solche Tapferkeit, daß er zum Oberleutnant befördert wurde.
 
Nach dem Friedensschlusse zu Villafranca ließ er die Braut in Augsburg zum katholischen Glauben übertreten, um seine Eltern gefügig zu machen, die Heiratserlaubnis wurde aber auch jetzt versagt, worauf er in die neuerrichtete päpstliche Armee eintrat. Am 1. März erhielt er seine Ernennung zum Hauptmann beim zweiten Jägerbataillon in Ancona und am 12. Juli endlich die sehnsüchtigst erwartete Bewilligung zur Heirat. Er teilte dies seiner Braut in liebeglühendster Form mit und führte sie am 17. Juli in Foligno (Kirchenstaat) zum Traualtar.
 
Nun erst söhnten sich seine Eltern mit beiden aus, und das Glück der Liebenden schien ungetrübt. Nach der Schlacht bei Castelfidardo, welche das Ende des Kirchenstaates bedeutete, verlor der Graf aber seine militärische Verwendung und mußte mit seiner Gattin eine neue Heimat suchen, die sie in Heidelberg zu finden glaubten.
 
Nun ging es mit dem ehelichen Frieden bald zu Ende. Es kam zu heftigen Auftritten, ja zu Tätlichkeiten, und im November 1861 wurde der gemeinsame Haushalt aufgehoben. Graf Chorinsky fuhr nach Brünn, um seinen Vater, der damals mährischer Statthalter war, zu bitten, daß er ihm den nochmaligen Eintritt in die österreichische Armee ermögliche, doch gelang es diesmal nicht mehr.
Zunächst wechselte der junge Graf noch viele Briefe mit seiner Frau, in denen er Liebe heuchelte, die Briefe wurden aber immer seltener undkühler und schließlich suchte er ihre Einwilligung zur Scheidung zu erlangen.
 
Infolge ihres Widerstrebens verwandelte sich seine Lieblosigkeit in flammenden Haß. Er ließ sie ohne alle Mittel, nannte sie "sein Unglück," zwang sie, ihren Schmuck zu veräußern und gab ihr schließlich den Rat, entweder Selbstmord zu begehen oder eine Dirne zu werden.
In dieser furchtbaren Situation floh die Gräfin in das Haus ihrer Schwiegereltern, wo sie wie ein Kind liebevoll aufgenommen wurde. Man verehrte die Frau sogar, als man ihre seltenen Geistes- und Herzensgaben kennengelernt hatte. Der Sohn hingegen, dessen schlechte Eigenschaften auch seinen Eltern bekannt waren, wurde gleichsam verstoßen.
 
Vor dem schleswig-holsteinischen Krieg 1864 fand Chorinsky jedoch wieder Aufnahme in die österreichische Armee, nachdem ein Verwandter Kaution gestellt hatte, er wurde dann 1866 bei Königgrätz auch verwundet. Als Rekonvaleszent kehrte er nach Wien zurück. Sein Vater war unterdessen dienstlich als höchster Beamter in die Kaiserstadt berufen - und der Sohn verlangte nun vehement die Entfernung der verhaßten Gattin aus dem Elternhaus.
 
Mathilde hatte mittlerweile zu dem bereits erwähnten Studenten Albert Mikulitsch eine zarte Neigung gefaßt und entschloß sich, obwohl ihre Schwiegereltern damit nicht einverstanden waren, zur Beendigung ihres Aufenthaltes in Wien. Sie begab sich nach Augsburg, dann nach Ulm, endlich in ihre Heimatstadt München, wo sie 1866 einen Knaben gebar.
 
Die Liebe, welche die gräflich Chorinskysche Familie für die ehemalige Schauspielerin empfand, geht aus dem finanziellen Arrangement hervor. Der Schwiegervater sandte ihr nämlich monatlich 50 bis 80Gulden nach Bayern, außerdem genoß sie die Zinsen einer vom Gatten zwangsweise hinterlegten Kaution von 12.000 Gulden.

Der Grund, warum Graf Chorinsky junior so sehr gegen seine Gattin erkaltet war, lag in den Beziehungen, die er zu einer anderen Frau, der jungen und schönen ungarischen Stiftsdame Julie von Ebergenyi angeknüpft hatte.
 
Julie Malvine Gabriele Ebergenyi von Telekes war am 9. Februar 1842 auf dem väterlichen Gute Szecheny im Komitate Eisenburg geboren. Viktor Ebergenyi von Telekes ließ seine Kinder standesgemäß erziehen, Julie zeigte aber wenig Talent und leistete nur im Leichtsinne und in der Gefallsucht Hervorragendes. Als 1867 ihre Mutter starb und der Vater ein Mädchen aus bürgerlichem Stande heiraten wollte, nahm Julie dies zum Vorwand und verließ das Elternhaus.
 
Sie zog nach Wien in das Haus der Baronin Skaletz, ihrer Taufpatin, wo sie es jedoch nicht lange aushielt. Bald sehen wir sie eine eigene luxuriös eingerichtete Wohnung beziehen und ein liederliches Leben beginnen. Sie wechselte ihre "Freunde" wie die Handschuhe, und da hiedurch ihr Wert sehr herabsank, trachtete sie, einen verlockenden Titel zu ergattern.
 
Sie wurde beim freiwilligen adeligen Damenstifte Maria-Schul zu Brünn in Mähren um Aufnahme als Ehrenstiftsdame vorstellig und erlangte diesen Titel für eine Taxe von 50 Dukaten, die ein reicher Liebhaber für sie erlegte.
 
In einem Familienzirkel lernte sie dann den Grafen Chorinsky kennen, mit dem sie bald intim verkehrte, der aber seinerseits derart für sie in Liebe erglühte, daß er sie allein besitzen wollte. Er bot ihr seine Hand an, in welche ihr Vater mit großer Freude einschlug.Viktor von Ebergenyi versprach, alles nur Erdenkliche zu tun, um seiner Tochter eine reiche Aussteuer zu geben.

Nur ein einziges Hindernis war vorhanden:
Die katholisch geschiedene Gattin des Grafen, welche, solange sie lebte, ein unbedingtes Hindernis für eine neue Heirat des Grafen bildete. Ihr Tod schien dem Grafen und seiner neuen Braut aber auch schon wegen Freiwerden der Kaution von 12.000 Gulden höchst wünschenswert. Die beiden machten daher allerlei Versuche, die Gräfin aus dem Leben zu schaffen.
 
So schickte der Graf ihr mit Zyankali vergiftete Bonbons, die aber bei den Leuten, denen die Gräfin die Sendung geschenkt hatte, gar keine Wirkung erzielten, weil sich das Kali mit dem Zucker verband und die Blausäure dadurch frei wurde.
 
Dann fanden sie einen ehemaligen Deutschmeister namens Rainpacher, der ihnen vielfach bei Verwirklichung ihrer schwarzen Pläne behilflich war. Schließlich schien ihnen jedoch die Einweihung einer dritten Person zu gefährlich, die Ebergenyi verschaffte sich daher von einem Freunde neuerlich Zyankali und fuhr dann damit nach München ...

Um das Verhältnis des Grafen zu seiner rechtmäßigen Gattin und zu seiner Geliebten zu charakterisieren, wollen wir Tagebuchblätter der unglücklichen ehemaligen Schauspielerin veröffentlichen, welche zeigen, wie rein und edel sie ihren nichtswürdigen Mann liebte:

Ihr Tagebuch beginnt mit den Worten: "Meine Liebe ist mein Hort, und in diesem Horte will ich sterben." Nach ihrer Vermählung schreibt die Gräfin: "Gott segne meinen Mann und lasse mich nie vergessen, wieedel er an mir gehandelt hat! Amen." Nach seiner Abreise schreibt sie: "Heute früh fuhr mein Mann fort; es ist nun so tot und öde. Als der Zug an meinen Fenstern vorüberfuhr, stand gerade noch ein Stern am Himmel, möge er ihm Glück bedeuten."
 
An Gustavs Geburtstag lesen wir: "Gott erhöre mein Gebet und gebe meinem Manne Glück, daß er bald eintreten könne (in die Armee); ich werde zwar sehr traurig sein und weiß nicht, wie ich ohne ihn leben soll. Das Leben hat für mich wirklich viel Trübes: Gott gebe mir diesen braven Mann, denn ich liebe ihn und weiß es, er liebt auch mich, doch sind wir getrennt; möge ihn Gott segnen, ihm beistehen, damit er wieder froh sein kann, dann werde auch ich wieder zufriedener sein. Gebe der Allgütige, daß Gustavs Liebe nie erkalte, ich würde sonst lieber den Tod wünschen; ich lebe so nur halb, und fern von ihm leben zu müssen - o ich habe mir das nie gedacht; Gott segne mein Leben, mein Glück, meinen Gustav! Bleibe mein, Gustav, behalte mir deine Liebe, ich lebe mit dir! Gute Nacht an deinem Geburtstage, glückauf; o nur einen Moment bei dir, was wäre ich froh !"
Dies schreibt die Gräfin zu einer Zeit, wo der Graf bereits für die Ebergenyi in Liebe entbrannt ist. Bald treffen jene Briefe ein, welche ihr die Augen geöffnet hätten. Die Gräfin will aber ihre Hoffnung und gute Meinung über Gustav nicht aufgeben. Sie tröstet sich mit folgenden Worten: "Ich ahnte, was er mir schreiben wollte; es bleibt mir also nichts übrig, als in ein Kloster zu gehen, damit er wieder frei werde und eine reiche Partie machen könne; es ist zu hart, zu viel auf einmal für mich; mein Gott, sei mir barmherzig ! O, du mein armer Gustav"
 
Einige Tage später: "Heute kam ein Brief von Gusti, der mir sehr wehe tat, aber ich sage ihm das nicht, denn er muß sehr unglücklich sein, weil er so schreiben konnte. Ich will alles, alles dulden, denn ihn treibt nur die Verzweiflung zu so bitteren Worten."
 
Die ganze Entrüstung der armen Frau erhellt aber aus den folgenden Ergüssen, nachdem ihr der Graf den Antrag gestellt, ihre Reize als Prostituierte zu verwerten: "Als ich zur Abreise bereit war, kam ein Brief meines Mannes; zitternd öffne ich ihn; o Gustav, das habe ich nicht verdient. Du schreibst zu grausam; welcher böse Dämon hat dich solche Worte finden lassen? Du bist es nicht mehr; es ist ein anderer, der schrieb; so mich kränken! Herr, Gott, mein Gott, ich habe genug gelebt. Adieu, mein liebes Zimmerchen; ich küsse die Stelle, wo sein liebes Haupt gelegen; o, wie war ich glücklich hier."
 
Während der Graf seine Gattin so beleidigen konnte, schrieb er der Ebergenyi Briefe wie den folgenden: "Wien, am 2. August 1867. Mein mehr als abgöttisch angebetetes, schönstes, einziges Weiberl! Meine kleine, allerliebste erhabenste Jützi! Du mein Abgott! Meine Gottheit! Mein alles in alle! Ich muß Dich bald heiraten, Du mußt mir alles ermöglichen, wir müssen bald vor der Welt verehelicht sein. Mein Glück kann ich nur in der Vereinigung, in der Ehe mit Dir finden, ach, Deine Versicherungen machen mich so namenlos selig. Ich schwöre es Dir bei meiner Ehre, bei Gott und der heiligen Maria als Edelmann und Offizier, ich muß und werde Dich heiraten, um auch der Welt zu zeigen, wie abgöttisch ich Dich liebe. Gott hat Dich mir als Schutzengel gesendet. Mehr als seligmacht mich Dein Brief, mit Tränen danke ich Dir kniefällig dafür, Du bist so namenlos schön und reizend, ich schwöre Dir bei Gott, daß ich mit der rasendsten Liebe für ewig bin nur Dein Dich mehr als abgöttisch anbetendes Mannerl. Dein ewig treuester Gustav."
 
Geradezu empörend sind die Briefe, welche er seiner Geliebten nachsendet, die ausgezogen ist, um die Gräfin in München heimtückisch zu ermorden. Er hatte sie auf den Bahnhof begleitet und verfasste abends nachstehenden Brief: "Meine Götterjützi! Mein Abgott! Mein Alles! In Tränen gebadet sitze ich vor Deinem lieben Bilde und ringe die Hände vor Sehnsucht nach Dir, mein Abgott. Möge Dir doch alles gelingen und du baldigst wieder für immer in meinen Armen liegen! Das letztere wünsche ich wohl am sehnlichsten, denn was ich leide und empfinde, weiß nur Gott allein ...Es ist so kalt, so stürmisch, o, welche Angst erfaßt mich um Dich, Du bist viel zu leicht angezogen, Du mein Abgott, mein alles, mein Weibi. Ich kann nur beten für Dich, kann Deine Zeilen kaum mehr erwarten. Du stürztest Dich in keine Gefahr, darauf habe ich Deinen Schwur. O wärst Du nur schon bei mir! Ich kann Deinen Brief nicht mehr erwarten, ich liege heute in Deinem Betterl und weine, weine, weine. . ."
Am nächsten Morgen schreibt er ihr einen Brief, dem wir die Stellen entnehmen: "Ich war jede Viertelstunde wach, sah auf die Uhr um 5 1/4 wo Du in München ankamst, und hätte mir bald vor Wut eine Ohrfeige gegeben, weil ich vergaß, Dir kleines bayerisches Geld mitzugeben...." Dagegen nennt er seine dem Tode geweihte Frau immer nur das "Komödiantenaas".

Auch Julie, die sich mit einem Empfehlungsschreiben einer gewissen Agnes Mariot als Marie Berger bei der Gräfin vorgestellt hatte, schreibt ihm aus München nach ihrer Ankunft: "Ich habe das Empfehlungsschreiben an das Aas abgegeben, das Aas ist, wie Du wissen wirst, krank."

Mit tiefem Abscheu wenden wir uns von diesen beiden nichtswürdigen Menschen ab, welche beide, der Graf in München, die Ebergenyi in Wien, zu einer zwanzigjährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurden. Der Münchner Prozeß begann am 22. Juni 1868 vor dem dortigen Schwurgerichte. Der Graf wurde zu zwanzigjährigem Zuchthause und nachheriger Landesverweisung verurteilt; Julie von Ebergenyi hatte schon vom 22. bis 25. April 1868 vor einem Strafsenate des Wiener Landesgerichtes gestanden, welcher über sie am 25. April das Urteil fällte:
"Julie Ebergenyi von Telekes ist des vollbrachten Verbrechens des Meuchelmordes schuldig und wird deshalb zur schweren Kerkerstrafe in der Dauer von zwanzig Jahren verurteilt. Da nach dem Gesetze vom 15. November 1867 die Eisenstrafe entfällt, wird die Supplierung derselben auf eine Woche Einzelhaft nach Schluß jeden Strafjahres erkannt. Gleichzeitig wird der Verlust des Adels für das Geltungsgebiet des österreichischen Strafgesetzes ausgesprochen."

Die Angeklagte hatte während der Untersuchung durch geschmuggelte Briefe Verbindung mit ihrem Geliebten gesucht und getrachtet, Zeugen zu beeinflussen, doch wurden diese Bestrebungen vereitelt, worauf sie sich in gefährliche Waffen gegen die Angeklagte verwandelten.

Auch die Verhandlung war reich an Aufregungen. Julie wurde in die "Weiberstrafanstalt" nach Wiener Neudorf - südlich von Wien - gebracht, der Graf auf die Festung Rosenburg in Oberfranken. Er liebte um diese Zeit seine "Götterjützi" nicht mehr. Ihr Mißgeschick hatte auch diesmal sein leicht entzündliches Herz erstickt.
 
Graf Chorinsky haßte schon während des Prozesses die Ebergenyi ebenso tödlich, wie seine ermordete Gattin. Am 4. Mai 1872 wurde die Ebergenyi aufgrund ihres labilen seelischen Zustandes von der Strafanstalt an die niederösterreichische Landesirrenanstalt am "Brünnlfeld" in Wien Alsergrund übergeben und dort in Pflege genommen. Am 8. April 1873 stirbt sie dort in geistiger Umnachtung - ein Opfer der damals in Wien grassierenden Cholera. Kurze Zeit zuvor hatte auch Gustav Chorinsky den Tod gefunden - auch er beendete sein Leben in der Nacht des Wahnsinnes.

Mag. Harald Seyrl

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