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Kriminelle verkauften "Allheilmittel" an Schwerstkranke zu abstrusen Preisen

Ermittler des Bundeskriminalamtes (BK) deckten zwei in Österreich agierende Tätergruppierungen auf, die schwerstkranken Personen nicht zugelassene Produkte als Heilmittel zu vollkommen überzogenen Preisen verkauften und Heilung garantierten. Bisher sind vier Verdächtige festgenommen und 92 Opfer identifiziert worden. Die Polizei bittet um Hinweise aus der Bevölkerung zu weiteren Opfern.

Die Vorgangsweise der beiden unabhängig voneinander agierenden Tätergruppen war grundsätzlich dieselbe. Sie suchten den Kontakt zu verzweifelten Patientinnen und Patienten, deren Chance auf Heilung durch die Schulmedizin sehr gering war, und verkauften ihnen nicht zugelassene Medikamente indem sie hundertprozentige Heilung versprachen. Der Inhalt der veräußerten Ampullen reichte von einfacher Kochsalzlösung bis hin zu nicht zugelassenen Produkten. Das BK ersucht um Hinweise aus der Bevölkerung zu möglichen Opfern der beiden Gruppierungen.

Ermittlungen wegen angeblichem Medikament "Powerlight"
Die Ermittler des BK kamen einem Allgemeinmediziner auf die Schliche, nachdem die Tochter eines Opfers im Mai 2016 Anzeige wegen Betrugs erstattete, da das Produkt keinerlei Wirkung zeigte. Der Beschuldigte hatte das angebliche Krebsheilmittel seit August 2015 verkauft.

Das angebliche Medikament "Powerlight" wurde ursprünglich von einem deutschen Arzt entwickelt und soll sämtliche Krankheiten heilen. Es wurden teilweise hundertprozentige Heilversprechen gemacht. Diese Versprechen wurden mit angeblichen Heilungen untermalt, die aber weder nachvollzogen noch bewiesen werden konnten. Untersuchungen ergaben, dass die Plastikampullen mit einer Kochsalzlösung gefüllt worden waren.
Die Bestellung der Ampullen erfolgte über das Internet. Vertrieben wurden sie über eine von dem beschuldigten Allgemeinmediziner eigens in Österreich gegründeten Firma. Eine vorherige Visitation bei dem Arzt war nicht erforderlich. Eine Anfrage per Mail genügt und das Produkt wurde nach getätigter Überweisung per Post versandt. Ein Beipackzettel oder sonstige Erklärungen waren meist nicht enthalten.
Der Preis für die Präparate, die in der Herstellung etwa 25 bis 30 Eurocent kosten, wurde an der Schwere der Krankheit gemessen. Hier galt der Grundsatz: Je schwerer die Krankheit desto teurer die Ampulle. Im Schnitt kosteten vier Ampullen rund 1.580 Euro.

Im Zuge der Ermittlungen konnten derzeit 80 Geschädigte ermittelt werden, die im Zeitraum von Ende 2015 bis Mitte 2016 das Produkt "Powerlight" bezogen haben. Die betroffenen Patientinnen und Patienten sind zum Teil bereits verstorben, sodass nur noch die Angehörigen befragt werden konnten. Der Gesamtschaden beläuft sich bisher auf 70.000 Euro. Die beiden Beschuldigten sind auf freiem Fuß angezeigt worden und bestreiten eine Betrugsabsicht vehement.

Ermittlungen gegen FirstImmune
Durch eine internationale Mitteilung wurde im November 2016 bekannt, dass einige österreichische Abnehmer das Präparat GcMAF der Firma FirstImmune gekauft haben sollen. Bei dem Präparat handelt es sich um ein nicht für den Medizinmarkt zugelassenes Funktionsarzneimittel, das zur Behandlung zahlreicher schwerer Erkrankungen beworben wurde. Das Produkt soll Tumorzellen angreifen. Diverse in wissenschaftlichen Fachmagazinen veröffentlichte Studien wurden aufgrund mehrerer Unstimmigkeiten später wieder zurückgezogen.

Die Spezialisten des BK forschten eine neunköpfige Tätergruppierung in Oberösterreich aus, die schwerstkranke Patienten zur Behandlung mit dem Produkt angeworben haben und denen Heilung versprochen wurde. Eine Ampulle des Präparates wurde um circa 500 Euro angekauft und mit einem Gewinnaufschlag von 200 Prozent an die Opfer weitergegeben. Dabei richtete sich der Preis nach dem Einkommen der Patientin oder des Patienten und der Schwere der Krankheit. Neben den Immunpräparaten wurden den Kranken auch Siedebenzin, Kohlenstoff und THC-haltige Substanzen verabreicht. Diese Substanzen wurden von der Tätergruppe in einem Kellerlabor selbst hergestellt und führten zu schwersten Nebenwirkungen bei den Patientinnen und Patienten.

Bei den vier Haupttätern handelt es sich um einen 52-jährigen Steinmetz, einen 33-jährigen Wettlokalbetreiber, einen pensionierten Zahnarzt und einen 53-jährigen Baumeister, wobei sie sich gen Patientinnen und Patienten gegenüber als Apotheker oder als Onkologen vorstellten. Die Tatverdächtigen sind seit Dezember 2016 in Untersuchungshaft. Bei den durchgeführten Hausdurchsuchungen wurde eine große Menge an Beweismitteln sichergestellt. Die Festgenommenen bestreiten jegliche Betrugsabsicht und beteuern die Heilwirkung der Präparate. In Österreich konnten bisher zwölf Opfer ausfindig gemacht werden. Die Ermittlungen wurden in enger Kooperation mit Europol geführt. Aufgrund der österreichischen Erkenntnisse konnten im Februar 2017 in Frankreich und auf der britischen Kanalinsel Guernsey gegen Hersteller und Organisatoren des Vertreibernetzwerkes eingeschritten, mehrere Untergrundlabore ausgeforscht und mehrere Beschuldigte festgenommen werden.

Das Bundeskriminalamt ersucht weitere Opfer der beiden Tätergruppierungen um Kontaktaufnahme unter BMI-II-BK-3-1-6@bmi.gv.at .


Foto BK Abdruck honorarfrei

angebliches Krebsheilmittel


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(BK Abdruck honorarfrei)

Artikel Nr: 14572 vom Freitag, 31. März 2017, 09:51 Uhr.
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