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Weniger Anzeigen und mehr Aufklärung

2015 ist die Zahl der Anzeigen gesunken und gleichzeitig die Aufklärungsquote gestiegen. Trotz diesen niedrigsten Zahlen seit zehn Jahren liegen die zukünftigen Herausforderungen in der komplexen Bekämpfung der Cyber-Kriminalität, der genauen Analyse der Auswirkungen der Migrationswelle und in der verstärkten Präventionsarbeit.

Das Bundeskriminalamt (BK) zog heute im Rahmen eines Pressegesprächs die Bilanz zur Kriminalitätsentwicklung in Österreich. Der Generaldirektor für die Öffentliche Sicherheit Mag. Mag. (FH) Konrad Kogler, der Direktor des BK General Franz Lang, der Vizedirektor des BK Dr. Michael Fischer und der Stellvertretende Europol-Direktor Oldrich Martinu präsentierten im Bundesministerium für Inneres (BMI) die aktuellen kriminalstatistischen Daten. Neben dem Rückblick auf die statistischen Zahlen stand der Ausblick auf die zukünftigen Herausforderungen im Mittelpunkt.

Die Polizeiliche Kriminalitätsstatistik (PKS) zeigt 2015 weniger Anzeigen und höhere Aufklärungsquoten. Mit 517.870 angezeigten Delikten ist die Zahl der Anzeigen in Österreich im Jahr 2015 um 1,9 Prozent gegenüber 2014 gesunken. Dies bedeutet wie in den Jahren zuvor einen Rückgang und den niedrigsten Wert seit zehn Jahren. Die Aufklärungsquote ist um 0,9 Prozentpunkte auf 44 Prozent gestiegen und ist somit ebenfalls die höchste Quote der letzten zehn Jahre.

Rückgang bei Wohnraumeinbruch, Kfz-Diebstahl und Wirtschaftsdelikten, Anstieg bei Gewaltdelikten und Cybercrime

Die Zahl der Anzeigen wegen Einbrüchen in Wohnungen und Wohnhäuser in Österreich ist im Vorjahr deutlich gesunken. Wurden 2014 noch 17.110 Anzeigen erstattet, so waren es 2015 exakt 15.516 Anzeigen. Das entspricht einem Rückgang von 9,3 Prozent oder in absoluten Zahlen 1.594 Anzeigen. Zum Vergleich: 2006 lag die Fallanzahl noch bei knapp 19.000. Bei 40 Prozent der Einbrüche im vergangenen Jahr scheiterten die Täter und es blieb nur beim Versuch. Die Anzahl der Dämmerungseinbrüche ist durch zahlreiche repressive und präventive Maßnahmen deutlich zurückgegangen.

Ebenso gesunken ist im sechsten Jahr in Folge die Zahl der Diebstähle von Kraftfahrzeugen. Mit 3.326 als gestohlen gemeldeten Lastkraftwägen, Personenkraftwägen und Krafträdern wurde 2015 ein 10-Jahres-Tiefstand erreicht (Rückgang von 0,9 Prozent zu 2014). Vor zehn Jahren wurden noch über 8.400 Kfz in Österreich als gestohlen gemeldet. Dieser Erfolg geht einerseits auf das eng geknüpfte Netzwerk an Strafverfolgungsbehörden und Herstellern und in weiterer Folge auf die Strukturermittlungen der Soko Kfz zurück.

Die Anzeigen hinsichtlich Gewaltkriminalität sind marginal gestiegen. Waren es 2014 noch 40.184 Delikte, so stieg diese Zahl 2015 um 0,4 Prozent auf 40.333 Anzeigen.

Angestiegen sind vor allem die leichten Körperverletzungsdelikte, aber auch die vorsätzlichen Tötungsdelikte. 132 der insgesamt 135 Delikte konnten 2015 geklärt werden (2014: 107 Anzeigen). 39 der 135 Taten wurden vollendet. 2014 wurden 38 Tötungsdelikte vollendet. Die Zahl der Anzeigen wegen Delikten gegen die sexuelle Integrität waren 2015 rückläufig.

Cybercrime ist und bleibt ein äußerst dynamisches und innovatives Kriminalitätsphänomen, das die Ermittlungsbehörden ständig vor neue Herausforderungen stellt. Kriminelle können praktisch rund um die Uhr gleichzeitig in den verschiedensten Regionen der Erde aktiv werden und Opfer schädigen, während sich ihre Serverinfrastruktur in anderen Ländern befindet und sie sich an einem ganz anderen Ort aufhalten. Die Internationalität dieser Kriminalitätsform verbunden mit den Möglichkeiten der Verschlüsselung und Anonymisierung erklären die ständig steigende Zahl von Cyber-Angriffen und somit auch deren Anzeigen. 2015 stiegen sie um 11,6 Prozent auf 10.010 Anzeigen. Bei dem Großteil der Anzeigen handelt es sich um Internetbetrug.

Die Wirtschaftskriminalität ist 2015 um 2,1 Prozent auf 48.601 Delikte gesunken. Bei rund 65 Prozent der Anzeigen handelt es sich um niederschwellige Delikte, wie Betrug, Urkundenunterdrückung und Entfremdung unbarer Zahlungsmittel.

Anstieg der Schlepperkriminalität:
Aufgrund der weltpolitischen Situation und der daraus resultierenden Flüchtlingsströme hat die Schlepperkriminalität 2015 sehr stark zugenommen und somit das Ergebnis der Kriminalstatistik stark belastet. Im Jahr 2015 wurden 9.569 Anzeigen wegen Schlepperei (§ 114 Fremdenpolizeigesetz) gemeldet, was einen Anstieg um 84,9 Prozent gegenüber 2014 bedeutet. Nach Schätzungen Europols hatten im vergangenen Jahr über 90 Prozent der Migrantinnen und Migranten die Hilfe von Schleppern. Bei einem anhaltenden Zustrom rechnet Europol damit, dass sich die Profite der organisierten Täterbanden 2016 verdoppeln oder verdreifachen. Konkrete Maßnahmen, wie unter anderem die Installierung des Joint Operational Office in Wien als verlängerter Arm des neu gegründeten European Migration Smuggling Centers von Europol, wurden bereits erarbeitet.

Zukünftige Herausforderungen:
Das Jahr 2015 stand im Zeichen der weltweiten Migrationsbewegung und ging oftmals mit der Angst vor einer steigenden Kriminalität einher. Eine Analyse der Opfer und auch der Tatverdächtigen Struktur zeigt, dass es sich bei beiden Gruppen zu rund zwei Drittel um inländische und zu rund einem Drittel um fremde Personen handelt. Verglichen mit den Vorjahren ist diese Entwicklung konstant. Unterteilt nach Aufenthaltsstatus der fremden Tatverdächtigen ist die größte Gruppe jene ohne Beschäftigung (28,6 Prozent) gefolgt von den Arbeitnehmenden (25,5 Prozent) und den Asylwerbenden (15,6 Prozent), die 2015 die Anzahl an tatverdächtigen Touristinnen und Touristen (12,5 Prozent) überholt hat. Zu den meist begangenen Delikten zählen der Diebstahl, die Körperverletzung und der unerlaubte Umgang mit Suchtmittel. Eine laufende Analyse möglicher Auswirkungen der Migrationswelle nach Europa und dementsprechende Ermittlungsschritte werden 2016 ein Schwerpunkt der kriminalpolizeilichen Arbeit sein.

Über die PKS:
Die PKS ist eine Anzeigenstatistik. Sie dient der Erfassung und Darstellung der Entwicklung des kriminellen Geschehens in Österreich und wird jährlich veröffentlicht. Die PKS wird stetig in ihrer Struktur angepasst, zum Beispiel aufgrund neuer Phänomene oder durch Änderungen in der Strafgesetzgebung. Die Strafrechtsreform, die mit Jänner 2016 in Kraft trat, brachte zahlreiche Erneuerungen im Strafgesetzbuch (StGB), die folglich in der PKS für das Jahr 2016 veröffentlicht werden.

Die Broschüre "Sicherheit Österreich 2015" mit ausführlichen Zahlen und Fakten, auch aus den Bundesländern, ist auf der Homepage des Bundeskriminalamtes unter www.bundeskriminalamt.at abrufbar.

Weiterführende Links:


Foto

Präsentation der Kriminalitätsentwicklung 2015: Konrad Kogler, Oldrich Martinu, Franz Lang und Michael Fischer


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(BMI Abdruck honorarfrei)

Artikel Nr: 13464 vom Donnerstag, 17. März 2016, 11:00 Uhr.
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