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Das Kompetenzzentrum für abgängige Personen (KAP) im Bundeskriminalamt

Die Polizei in Österreich widmet sich verstärkt dem Thema "Abgängigkeit". Im September 2013 wurde das Kompetenzzentrum für abgängige Personen (KAP) im Bundeskriminalamt geschaffen. Es unterstützt seit nunmehr 18 Monaten die Ermittler als internationale und nationale Drehscheibe, sammelt und bereitet Datenmaterial auf und ist für Ausbildungen zuständig.

Vermisst oder Abgängig?

In Österreich sind die Polizeiinspektionen, Landeskriminalämter und das Bundeskriminalamt (.BK) mit der Fahndung nach abgängigen Personen, umgangssprachlich "Vermisste", befasst. Die zuständigen Ermittlungseinheiten haben die Umstände des Verschwindens, das Motiv, das Alter der vermissten Person, die rechtlichen Befugnisse, die erforderlichen Kooperationen mit weiteren involvierten Dienststellen, Organisationen und Nichtregierungsorganisationen zu bearbeiten. Überdies kommt dazu oft noch verständlicherweise eine hohe Erwartungshaltung verzweifelter Angehöriger und der Bevölkerung hinzu. Einflussfaktoren, wie die Entwicklung des Telekommunikations- und IT-Sektors, der Wegfall von Grenzkontrollen und die erhöhte Mobilität von Menschen, sind bei der Fahndung nach abgängigen Menschen ebenso miteinzubeziehen.

In der EU und in Österreich hat sich die Polizei verstärkt diesem Thema gewidmet und nach einer Projektphase am 1. September 2013 das Kompetenzzentrum für abgängige Personen, (KAP) geschaffen. Organisatorisch ist es in der Abteilung für Internationale Polizeikooperation im Bundeskriminalamt eingerichtet. Zwei erfahrene Kriminalbeamte arbeiten derzeit in dieser Einheit.

Aufgaben des KAP

Allgemeines
Das KAP ist keine operative Einheit und erfüllt keine Ermittlungstätigkeit im Einzelfall. Diese Aufgabe verbleibt bei den Polizeiinspektionen und den Landeskriminalämtern. Spezielle, unaufgeklärte und länger zurückliegende Vermissten- und Kriminalfälle werden durch das Referat Cold-Case-Management (CCM) des .BK ermittelt. Die Zuständigkeit des KAP erstreckt sich in erster Linie auf Grundsatzangelegenheiten des Vermisstenwesens mit dem Ziel die damit befassten Dienststellen zu servicieren. Darüber hinaus hatte das KAP 2014 folgende Schwerpunkte.

Schulung
Eine der Aufgaben des KAP ist es, bewährte und neue Methoden für die tägliche Polizeiarbeit zu vermitteln. Dabei gilt es nicht nur polizeiliche Erkenntnisse, sondern auch Erfahrungen und Wissen aus anderen Bereichen zu transferieren. Vor diesem Hintergrund veranstaltete das KAP bereits zwei Ausbildungswochen für Expertinnen und Experten der Landeskriminalämter. Die Schulungsinhalte umfassten unter anderem:
• Rechtliche Grundlagen der Vermisstenfahndung
• Schengen- und INTERPOL-Fahndung
• Zusammenarbeit mit Jugendwohlfahrtseinrichtungen
• Angehörigenbetreuung
• Einsatz von Polizeidiensthunden, der Flugpolizei sowie von Wärmebildkameras bei der Suche nach Vermissten
• Aging-Methodik
• Öffentlichkeitsfahndung, Zulässigkeit, technische Möglichkeiten
• internationale Kindesentziehungen
• Einsatz von Ortungstechnik zur Lokalisierung von verunfallten Personen

Statistisches Material
Gemeinsam mit der IT-Abteilung des Bundesministeriums für Inneres wurden die Anforderungen für statistisches Material zu österreichischen Abgängigkeitsfahndungen definiert und bedarfsgerecht umgesetzt. Somit können nun erstmals auch konkrete Aussagen über Anzahl, Dauer, vermuteter Grund und Ort von abgängigen Menschen getroffen und in Lagebildern dargestellt werden. Die gewonnenen Erkenntnisse werden unterschiedlichen Bedarfsträgern bereitgestellt und dienen der Unterstützung von Präventions- und Fahndungsmaßnahmen und der Überprüfung "alter" Fälle.

Aging-Methodik
Die Methodik des "Agens" wurde erstmals von der Zielfahndung des .BK eingesetzt und im Jahr 2014 vom KAP übernommen. Nach Absolvierung einer mehrwöchigen Schulung ist ein Experte des KAP unter Einsatz spezieller Hard- und Software nunmehr in der Lage auf Fotos abgebildete vermisste Personen künstlich altern zu lassen. "Agen" kann somit ein wichtiges Instrument zum Aufspüren von Langzeitabgängigen werden.

Betreuung von Angehörigen
Der Dialog mit Angehörigen von Vermissten ist ein wichtiger Teil der Polizeiarbeit. Angehörige von vermissten Personen bewältigen die für sie belastende Situation auf unterschiedliche Weise. Unter Umständen kann das Verschwinden eines nahestehenden Menschen sogar zur Traumatisierung führen, weswegen hier die Sozialkompetenz der zuständigen Polizeiorgane in besonderem Maße gefordert ist.

Im Jahr 2014 begleitete das KAP teilweise über Monate sechs Abgängigkeitsfälle in Zusammenarbeit mit der örtlich zuständigen Polizeidienststelle. Den Fällen lagen unterschiedlichste Lebenssachverhalte zu Grunde – allen gemeinsam waren jedoch Kritik an der polizeilichen Fallbearbeitung. Sie reichten von Bemängelungen an der geltenden Gesetzeslage bis zu behaupteten Fehlern bei den polizeilichen Fahndungsmaßnahmen. Das KAP fungierte dabei einerseits als Ansprech- und Auskunftsstelle, andererseits auch als Vermittler bei behaupteten Kommunikationsdefiziten. Insbesondere konnte den Angehörigen vermittelt werden, welche rechtlichen und technischen Möglichkeiten der Polizei in Bezug auf die Suche nach abgängigen Personen zur Verfügung stehen.

Das KAP steht auch für eine Bündelung der Informationen und Vermeidung unterschiedlicher Auskünfte durch verschiedene Polizeidienststellen an die Angehörigen von Abgängigen.

Weiterführende Dokumente:


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Artikel Nr: 12118 vom Freitag, 06. März 2015, 13:24 Uhr.
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