Sondereinheit Einsatzkommando Cobra/Direktion für Spezialeinheiten (DSE) 

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Publikationen - Fit for you von Mag. Wolfgang Bauer

Logo des Einsatzkommandos Cobra
Logo des Einsatzkommandos Cobra © BMI

In Zeiten wie diesen ist es gut, dass es Männer wie diese gibt. Damit wir ruhig schlafen können.

Die Männer des Einsatzkommandos Cobra stehen für Recht und Gerechtigkeit. Trainieren wie die Burschen dieses Einsatzkommandos ist der Wunsch jedes g´standenen Mannes. Lesen sie hier, wie sich unsere Cobra-Leute fit halten und was wir uns von ihnen abschauen können.
 
Stellen Sie sich vor, Sie hängen an einer Sprossenwand, Ihre Füße berühren nicht den Boden. Über Ihnen hängt ein Medizinball in einem Netz. Sie müssen nun die Beine hochklappen. Aber nicht bis in die Waagrechte, wie Sie es im Turnunterricht immer machen mussten, sondern so weit hoch, dass Ihre Füße den Ball da oben berühren. Dann senken Sie die Beine wieder ab und versuchen es noch einmal.
 
Sie meinen, das ist unmöglich? Für uns Normalverbraucher ja. Nicht für die Cobra-Männer. Die können das und noch viel mehr. Die haben so viel Kraft und Körperbeherrschung, dass sie - wie nix - die Beine bis zum Medizinball hochklappen und absenken und diese Übung 40 Sekunden lang durchhalten.

Uns hat schon lange interessiert, wie die Mitglieder dieser Spezialeinheit zu ihrer Super-Kondition kommen. Wie wir in Gesprächen mit den für die Ausbildung Verantwortlichen herausgefunden haben, arbeitet man bei Cobra nach einem Grundsatz, der für alle Spitzenleistungen gilt: üben und nochmals üben. Aber das auf härtestem Niveau: So gibt es nach dem erwähnten Beine-Hochklappen gerade mal 40 Sekunden Verschnaufpause. Danach müssen sich die „Schüler“ abermals 40 Sekunden quälen, indem sie über eine Reckstange flanken, die über einen Meter hoch ist - so wie über eine Gartentür. Und wieder zurück. Auch das, so oft sie können. Die darauf folgende 40- Sekunden-Pause haben sie sich dann redlich verdient. In den nächsten 40 Sekunden bewältigt der Cobra-Mann einen Hindernisparcour. Und zuletzt hängt er noch frei mit ausgestreckten Armen an einer Stange und muss sich so weit hochziehen, dass er diese mit dem Kinn berührt. Was nur durch einen lupenreinen Klimmzug möglich ist. Das bitte auch möglichst oft in 40 Sekunden.
 
Dass wir‘s nichts vergessen: Vor der Übung mit dem Medizinball an der Sprossenwand stehen noch jede Menge Sprungübungen und Liegestützen am Programm.
 
Klar, dass das keine normalen sind: Sie werden auf zwei Sprungkästen ausgeführt, wobei auf einem - drei Segment hohen - die Füße aufgestützt sind, auf dem zweiten - nur ein Segment hohen - die Hände aufliegen. So schaut also der Kopf ziemlich nach unten, wenn das Kinn den Kasten berührt. Auch hier gilt die Zeiteinheit 40 Sekunden für jeden Durchgang mit möglichst vielen Liegestützen. Dazwischen gibt‘s jeweils eine Pause von ebenfalls 40 Sekunden.

Konditionstraining rund um die Uhr
Wer zum Ausbildungszug der Cobra gehört, macht praktisch sechs Monate lang Dauertraining.

  • Zum Beispiel auf der Hindernisbahn. Um zu ihr zu gelangen, muss ein 35 Meter breiter Teich mit Hilfe eines Seiles überquert werden. Wie ein Faultier, also mit Händen und Füßen, klettert man entlang des Seiles, um sich dann noch an den diversen Hindernissen quälen zu können.
  • Zur Ausbildung gehört auch ein ausgeklügeltes Lauftraining. Längere Läufe dienen der Ausdauer, ein spezielles Intervalltraining kommt der Laktatverträglichkeit zugute. Bei hartem Training kann sich nämlich in der Muskulatur zu viel Laktat (= Milchsäure) bilden, was sich durch Brennen der Muskeln oder das Gefühl, schwere Beine zu haben, bemerkbar macht. Beim gezielten Intervalltraining wird dann praktisch in den lockeren Laufintervallen das Laktat der harten Trainingsintervalle wieder abgebaut. Der Muskel übersäuert nicht. Gelaufen wird praktisch täglich.
  • Das Schwimmen wiederum besteht zumeist aus regenerativen Einheiten. im Headquarter, also im Ausbildungszentrum, der Cobra in Wiener Neustadt, wo die Grundausbildung absolviert wird, gibt es ein eigenes Hallenbad.
  • Auch das ist wichtig: Jeder Mann muss den Gebrauch von Waffen erlernen und perfektionieren.
    Die Schießübungen mit Faustfeuerwaffen, die hohe Konzentrationsfähigkeit erfordern, stehen daher regelmäßig auf dem Programm der Ausbildung.

Ständig besser werden

Das Motto • Ständig besser zu werden, gilt nicht nur während der Ausbildung. Auch Cobra-Leute im Dienst müssen sich ständig fit halten. Freilich haben sie dazu nicht mehr so viel Zeit wie während der Grundausbildung, denn schließlich müssen sie ihren Dienst tun und Flüge der Austrian Airlines begleiten oder den Schutz einer bestimmten Person gewährleisten. Trotzdem stehen ihnen regelmäßige Ausbildungstage zum Trainieren zur Verfügung. Auch an den Bereitschaftstagen kann und soll trainiert werden. Ihre körperliche Fitness und ihre Schießfertigkeit werden regelmäßig überprüft. Dazu gibt es Mindeststandards, untere Limits, die unbedingt erreicht werden müssen. Mit denen gibt sich aber ein echter Cobra-Mann nicht zufrieden, er versucht besser zu sein.

Hochleistungssportler • „Die Fitness der Leute entspricht jener von Hochleistungssportlern“, sagt Dr. Rainer Tschepper, Internist und Sportarzt aus Wiener Neustadt, der die Cobra-Leute medizinisch betreut. „Sie müssen zu 100 Prozent gesund und zu 200 Prozent fit sein“. Das bedeutet, dass nicht nur Knochengerüst und Muskelkorsett sondern auch das Hör- und Sehvermögen völlig intakt sein müssen. Es dürfen ferner keine chronischen Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes vorliegen. Anwärter der Elitetruppe müssen zusätzlich bei ergometrischen Tests (auch als Belastungs- EKG bekannt) die doppelte Leistung der Durchschnittsbevölkerung erbringen.

Nervöse Typen nicht gefragt • Zusätzlich - und das ist eine wichtige Voraussetzung - darf ein Cobra-Mann dabei die Nerven nicht verlieren und keine Panikreaktionen aufkommen lassen, die den Erfolg eines Einsatzes gefährden könnten. Das heißt, dass auch mentale Qualitäten gefordert sind. Nervöse oder aggressive Typen sind bei der Cobra nicht erwünscht, auch wenn sie noch so kampfstark agieren können. Kraft und Aggression müssen immer zielgerichtet zum Einsatz kommen, um zum Beispiel gefährliche Angriffe zu beenden. Das erfordert hohe Konzentrationsfähigkeit. „Schon vor der Ausbildung durchlaufen unsere Leute ein mehrtägiges psychologisches Auswahlverfahren“, so Tschepper. „Sie sind bestens ausgebildete Exekutiv- beamte mit niedrigem Aggressionspotenzial. Die Kraftpakete sind höchst entspannt: es gibt keinerlei Reibereien in der Truppe“.
 
Wer also sind diese Supermänner? Zum Dienst bei der Cobra können sich Gendarmerie- und Polizeibeamte aus dem gesamten Bundesgebiet melden. Von 1978 bis 2001 gab es jährlich zwei sechsmonatige Ausbildungskurse mit jeweils 15 bis 25 Teilnehmern. Lediglich im Jahr 2002 wurden wesentlich mehr Beamte aufgenommen (ca.140), da aufgrund einer Strukturänderung der Kader von 180 auf 336 Leute aufgestockt wurde. 2003 bewarben sich 162 Männer und acht Frauen. Durch ein Punktesystem wurden die 36 Besten ermittelt. Die geschilderte Grundausbildung dauert sechs Monate und wird als „harte Schule“ im wahrsten Sinne des Wortes bezeichnet. Sie ist, wie Ausbildungsleiter Robert Schimpfhuber feststellt, eine „geballte Ladung an konditioneller Ausbildung, Kampfsport und taktischen Übungen. In dem halben Jahr machen die Leute Quantensprünge, was Ihre Belastbarkeit betrifft“.

Der ganz normale Wahnsinn
 
Flugzeug stürmen • Der geschilderte Kraftzirkel ist aber nicht das einzige sportliche Muss im Tagesablauf eines angehenden Mitglieds der Sondereinheit. So gibt es oft am Morgen bereits eine zweistündige Nahkampfausbildung, eine 70 minütige Laufeinheit am Nachmittag rundet den Tag ab. Aufgelockert wird die Ausbildung mit Theorieeinheiten quasi auf der Schulbank sowie mit Lektionen und Übungen in Einsatztaktik. Dabei wird vermittelt, wie man einen Stiegenaufgang bewältigt oder ein Flugzeug mit mehreren Geiselnehmern erstürmt.

Abseilen • Ein Cobra-Mann muss ein Seil absolut beherrschen können. Auf dem Gebiet der Seiltechnik sind die österreichischen Einsatzkräfte international sogar führend. Dabei sind Fensterfronten zu erklimmen, Häuserschluchten zu überqueren etc. Auch das schnelle Abseilen kopfüber muss geübt werden. Um vom Dach eines Hauses zu jenem Fenster zu gelangen, bei welchem um nur ein Beispiel von vielen Einsätzen zu nennen; ein geistig verwirrter Familienvater seine Kinder rauszuwerfen droht. Durch blitzschnelles Abseilen und Eindringen in die Wohnung des Geschehens wird der Mann an seiner Tat gehindert und kann überwältigt werden. Seiltechnik stärkt aber auch Vertrauen gegenüber den Kameraden, denn man muss sich auf den Sichernden absolut verlassen können.

Nahkampf • Cobra-Leute müssen den Nahkampf absolut beherrschen. Täter sollen ja so weit es geht ohne den Einsatz von Waffen festgenommen werden. Deshalb muss das Können der Beamten ausgesprochen hoch sein, damit sie selbst nicht gefährdet sind. Die Elemente für die Nahkampfausbildung werden aus verschiedenen Kampfsportarten wie dem Kickboxen oder dem Judo entnommen. Als Ausbilder stehen Leistungssportler aus diesen Bereichen zur Verfügung. Auch der Messerkampf wird trainiert, um Messerattentäter überwältigen zu können. Wer selbst das Kämpfen mit dem Messer beherrscht, versteht auch die „Philosophie“ eines Messerattentäters, erklärt der für die Ausbildung zuständige staatlich geprüfte Sportlehrer Robert Schimpfhuber.

Bisher nur eine Frau

Im Gegensatz zu einem gut trainierten Leistungssportler - wie einem Marathonläufer oder Mountainbiker - muss ein Cobra-Mann (bisher gibt es erst eine ausgebildete Frau bei der Cobra) ganzheitlich geschult sein. Er muss schnell sein, auch was seine Reaktion betrifft, ausdauernd, kampfstark, geschickt, zielsicher. So mancher Hochleistungssportler, der sich für die Cobra bewarb, konnte nicht aufgenommen werden, weil ihm diese Allrounderqualitäten fehlten.
 
Mitglieder dieses speziellen Einsatzkommandos müssen ja nicht nur die besten Nahkämpfer oder die präzisesten Schützen sein. Sie müssen Vieles können: Häuserfassaden in Sekundenschnelle hinaufklettern oder sich raschest zum Fenster eines Geiselnehmers abseilen, so schnell wie möglich einen Innenhof überqueren und eine hohe Mauer erklettern. Sie müssen Terroristen- und Rauschgiftnester ausheben, Buben und Mädchen lebend bergen, die im Kindergarten von einem Bombenattentäter bedroht werden, unbemerkt Flüge sichern, oder rabiate Fußballfans festnehmen.

Was wir uns abschauen können

Auch wenn die 336 Mitarbeiter des Einsatzkommandos Cobra eine Sondereinheit von außerordentlicher Fitness und überdurchschnittlichem Können darstellen, so können wir uns doch einiges von der hochspezialisierten Truppe abschauen:

  • Zum Beispiel, dass es wichtig ist, nicht nur einseitig Sport zu betreiben, sondern vielseitig zu trainieren — sowohl Ausdauer als auch Kraft und Schnelligkeit.
  • Es genügt nicht, wie der Arzt feststellt, regelmäßig zu laufen. Man muss zusätzlich Krafttraining machen. Die Ärzte beobachten immer wieder bei Läufern eine schlecht ausgebildete Bauch- und Rückenmuskulatur.
  • Dazu die konkreten Tipps des Arztes:
    • Machen Sie wie die Cobra-Leute regelmäßig Liegestütze und Klimmzüge.
    • Gehen Sie regelmäßig schwimmen, fahren Sie Rad,
    • machen Sie in einem Konditions- oder Gymnastikkurs ein Zirkeltraining.
    • Bleiben Sie nicht auf einem Trainingsniveau stehen, sondern versuchen Sie wie die Leute der Sondereinheit immer besser zu werden und Ihre Kondition zu optimieren.

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