Sondereinheit Einsatzkommando Cobra/Direktion für Spezialeinheiten (DSE) 

Erfolgsgeschichte

30. April 1973 - 31. März 1978

Mitarbeiter des Gendarmeriekommandos Bad Vöslau
Mitarbeiter des Gendarmeriekommandos Bad Vöslau © BMI

Vom "Gendarmeriekommando Bad Vöslau" über das "Gendarmerie-Begleitkommando Wien" zum Gendarmerieeinsatzkommando 
Am 1. Mai 1973 wurde das „Gendarmeriekommando Bad Vöslau“, so die amtliche Bezeichnung der ersten Vorläuferdienststelle des Einsatzkommandos Cobra, installiert.

Schon seit ca. einem Jahr hatten Beamte der Verkehrsabteilung des Landesgendarmeriekommandos für Niederösterreich die Sicherung der per Eisenbahn aus der früheren UdSSR über Marchegg/Hohenau einreisenden jüdischen Emigranten übernommen und die Flugzeuge der Fluglinie „EL-AL“ gesichert, mit denen die Auswanderer vom Flughafen Wien-Schwechat nach Israel ausreisten. 

Das stete Anwachsen der Emigrantenzahl veranlasste dann die Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit eine kleine Spezialeinheit aufzustellen, deren ausschließliche Aufgabe es sein sollte, die Transporte und das Emigrantenlager im Schloss Schönau an der Triesting im Bezirk Baden zu sichern. In diesem Schloss Schönau war das „Gendarmeriekommando Bad Vöslau“ vor seiner Übersiedlung in die Burstyn-Kaserne in Zwölfaxing vorübergehend vom 18. Dezember 1973 bis 1. September 1974 untergebracht. Später, ab dem 14. Februar 1978 bis zum 17. Oktober 1992 war das Schloss Schönau „Hauptquartier“ des Gendarmerieeinsatzkommandos.

Obwohl der Terror Anfang der Siebziger Jahre schon erschreckende Ausmaße angenommen hatte und in Deutschland am 5. September 1972 während der Olympischen Spiele der Terroranschlag auf die israelische Mannschaft die Welt schockiert hatte, schien Österreich bis zu diesem Zeitpunkt als Zielland für terroristische Aktivitäten nicht interessant zu sein.

Dies änderte sich, als am 28. September 1973 zwei schwerbewaffnete palästinensische Terroristen der Terrororganisation „El Saika“ (Adler der Revolution) mit einem Eisenbahnzug aus Devinskà Nova Ves (in der damaligen CSSR gelegen) kommend am Grenzbahnhof Marchegg österreichisches Staatsgebiet erreichten und ein altes jüdisches Auswanderer-Ehepaar und einen österreichischen Zollbeamten als Geiseln nahmen.

Die Geiselnahme verlief zum Glück unblutig, hinterließ aber einen tiefen Schock. War die Sicherung der Emigrantentransporte bis zu diesem Zeitpunkt erst ab dem Wiener Ostbahnhof erfolgt, so wurden nunmehr auch die über Marchegg und Hohenau kommenden Züge aus der Sowjetunion schon ab den Grenzbahnhöfen von den Beamten des „Gendarmeriekommandos Bad Vöslau“ übernommen und bis zum Wiener Ostbahnhof begleitet.

Die damit verbundene Personalaufstockung machte die vorübergehende Übersiedelung in das Schloss Schönau notwendig, die mit 18. Dezember 1973 erfolgte.

Mit 1. September 1974 übersiedelte es als nunmehriges „Gendarmeriebegleitkommando Wien“ von Schönau in die Burstyn-Kaserne des Bundesheeres nach Zwölfaxing und wurde ab diesem Zeitpunkt direkt der Generaldirektion für die öffentliche Sicherheit im Bundesministerium für Inneres unterstellt.

Hauptaufgabe war im Wesentlichen nur noch die Begleitung der aus der UdSSR von Marchegg und Hohenau kommenden Züge nach Wien sowie fallweise Sicherungsaufgaben auf dem Flughafen Wien-Schwechat.

Letztendlich gab aber die Entführung und spätere Ermordung des deutschen Arbeitgeberpräsidenten Hans-Martin SCHLEYER durch die RAF und die im Zusammenhang damit erfolgte Entführung der Lufthansamaschine „Landshut“ nach Mogadischu den Anstoß dafür, dass auch Österreich eine für das gesamte Bundesgebiet zuständige Spezialeinheit zur Terrorbekämpfung erhielt.

Den entscheidenden Impuls, dass auch in Österreich eine Antiterroreinheit aufgestellt wurde, setzte der damalige Innenminister Erwin Lanc. Dieser legte im Herbst 1977 der Bundesregierung eine umfassende Konzeption vor, durch die die bereits vorher vom „Gendarmeriebegleitkommando Wien“ getroffenen Maßnahmen verstärkt werden sollten und deren Kernpunkt die Schaffung des Gendarmerieeinsatzkommandos (GEK) mit einem Personalstand von 127 Beamten war.
 
Das Gendarmerieeinsatzkommando wurde mit 1. Jänner 1978 offiziell installiert und bezog mit 14. Februar 1978 wiederum das Schloss Schönau.


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