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Berufliche Heimat: Kosovo

Er war zweimal im Kosovo auf Auslandseinsatz, einmal in Georgien. Im Mai 2018 geht er wieder in den Kosovo: Thomas Christ vom österreichischen Bundeskriminalamt. Eine Geschichte über Herausforderungen und die Leidenschaft, im Ausland für Österreich arbeiten zu dürfen.

"Jeder, der sich für einen Auslandseinsatz entscheidet, stellt sich erst mal die Frage nach dem ‚Warum‘ – bei mir war es einfach, beim vierten Einsatz für eine Friedensmission kennt man die Antworten", sagt Gruppeninspektor Thomas Christ vom Büro 3.4 (Menschenhandel und Schlepperei) im Bundeskriminalamt. "Und letztlich ist es immer wieder dasselbe, das mich reizt: Die Herausforderungen einer neuen Arbeit, der bevorstehenden Aufgaben, ein komplett anderes Leben, und die Leidenschaft, im Ausland für Österreich arbeiten zu dürfen."

Im Mai 2018 wird Christ zusammen mit einem Polizisten vom Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) fünf österreichische Polizistinnen und Polizisten unterstützen, die bereits für die Rechtsstaatlichkeitsmission der Europäischen Mission (EULEX) im Kosovo im Einsatz stehen: Oberst Christian Knopf (LPD Burgenland), die Chefinspektoren Anton Kiesl (LPD Steiermark) und Friedrich Prax (Bundeskriminalamt), Abteilungsinspektorin Veronika Tscherney-Czaak (LPD Wien) und Bezirksinspektor Dominik Sodamin (LPD Kärnten).

Thomas Christ, seit 1989 bei der Polizei in Wien, verheiratet, arbeitete sechs Jahre im 3. Bezirk, ehe er in die Polizeiinspektion nach Hainburg an der Donau wechselte. "Ich habe als Überwachungsposten an der Grenze gearbeitet, acht Jahre lang, eine sehr interessante Tätigkeit." 2003 ging Christ das erste Mal auf UN-Mission in den Kosovo. 2008 wurde er nach Georgien entsandt, "auf Beobachtermission kurz nach dem Krieg, um unter anderem das Grenzgebiet zu beobachten und darauf zu achten, dass die Menschenrechte eingehalten werden." 2014 war Christ neuerlich im Kosovo eingesetzt. "Damals war ich in Mitrovica stationiert, einer Stadt im Norden des Kosovo, als uniformierter Polizist zur Überwachung und Begleitung in gefährdete Gebiete."

Geduld, Ausdauer, Toleranz, Stressresistenz

Hatte sich früher die Arbeit der österreichischen Polizeibediensteten auf Tätigkeiten in Polizeidienststellen, entlang von Grenzübergängen oder auf den Personenschutz beschränkt, stehen heute strategische Komponenten im Vordergrund. In Zusammenarbeit mit Organisationen der Europäischen Union im Kosovo unterstützen österreichische Polizistinnen und Polizisten die kosovarischen Regierungsstellen auf ihrem Weg zu einem verantwortungsvollen Staatswesen und bei der Überwindung von politischer Einflussnahme in Polizei und Justizwesen. Auch im Rahmen des Dialogs "Belgrad-Pristina" unterstützt die EU, um das Verhältnis zu Serbien weiter zu normalisieren. Gefragt sind neben Fachwissen und Erfahrung vor allem eine gute Portion Geduld, Ausdauer und Toleranz; auch stressresistent sollte man sein. Spezialisten aus Österreich gehen weiterhin Verdachtsfällen von Kriegsverbrechen nach, arbeiten für die missionsinterne Sicherheit, im Zeugenschutz, bei der Analyse und Kommunikation. Auch mit Interpol und Europol wird zusammengearbeitet.

Bewerben für einen Auslandseinsatz können sich Polizistinnen und Polizisten sowie Organe des rechtskundigen Dienstes im Dienstweg. Bei einer erstmaligen Bewerbung kommt es zu einer Sprachüberprüfung in Englisch und einer zweiwöchigen Vorbereitungsausbildung für Auslandseinsätze. "In einem weiteren Schritt können sich Polizisten auf einen, von der EU für eine bestimmte Mission ausgeschriebenen Arbeitsplatz bewerben", sagt Christ. "Nach Sichtung der schriftlichen Bewerbungen wird eine sogenannte "Short-list" mit Polizistinnen und Polizisten erstellt, die zu einem Telefoninterview eingeladen werden." Aus Brüssel komme schließlich das Ergebnis des Interviews, ergänzt Christ.

Organized Crime Investigation Officer

2018 wurde Christ für die die Position des "Organized Crime Investigation Officers" in Pristina ausgewählt. "Man kann sich für drei Stellen bewerben, aufgrund meiner Vorgeschichte wurde mir diese Tätigkeit zugewiesen", sagt der Polizist aus dem Bundeskriminalamt. "Was genau auf mich zukommt, kann ich noch nicht sagen, aber grundsätzlich werden meine Aufgaben in der Bekämpfung der organisierten Kriminalität liegen."

Mit einer mehrtägigen Einschulung, dem sogenannten "Induction Training", in der EULEX-Zentrale in Pristina im Kosovo, wird Christ vorbereitet. Grundlegende Aspekte der bevorstehenden Mission, der Organisation, sowie Informationen über die Republik Kosovo stehen dabei ebenso am Programm wie "Menschenrechte", "Sicherheitsverhalten für Missionsangehörige", "Waffenrechtliche Schulung" oder "Fahrtraining". "Ein Auslandseinsatz ist nicht jedermanns Sache, aber in jedem Fall zu empfehlen", sagt Gruppeninspektor Thomas Christ. "Ich weiß, wovon ich rede, es ist wirklich interessant, sehr spannend, und eine große Ehre, Österreich im Ausland vertreten zu dürfen."

EULEX Kosovo

Die zivile Mission der Europäischen Union "EULEX Kosovo" gibt es seit 2008. Bis zu 2.000 Polizisten, Richter, Justizvollzugsbeamte und Zollangehörige wurden seither in den Kosovo entsandt. Im Februar 2018 beschäftigte EULEX 800 Menschen: Mehr als 420 aus den 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union und weiteren fünf unterstützenden Staaten (Kanada, Norwegen, der Schweiz, Türkei und den Vereinigten Staaten von Amerika), sowie über 350 aus dem Kosovo.

Text: Reinhard Leprich

Besprechung des Verkehrskonzepts am Grenzübergang Merdare zwischen Serbien und dem Kosovo
Foto: ©  Veronika Tscherney-Czaak, BMI
Lagebesprechung im Joint Operations Room.
Foto: ©  Christian Knopf, BMI

Artikel Nr: 15623 vom Dienstag, 27. Februar 2018, 10:43 Uhr
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